"Wir haben uns zerrissen": Bühl siegt 3:1 gegen die "LüneHünen"

23.01.2017

Der Bühler Zuschauer ist ja einige Überraschungen gewohnt. Aber Tim Stöhr als Libero, Kristen Cléro der Spielmacher des Tages, eine mit Händen zu fassende mannschaftliche Geschlossenheit und das verdiente 3:1 gegen Lüneburg, unglaublich!

So mancher Fan muss sich am Sonntag gedacht haben, dass sich Ruben Wolochin und seine Bisons zum Spaß immer wieder eine neue Aufstellung ausdenken. Leider hatte aber das zu treue Verletzungspech wieder zugeschlagen: Libero Bartosz kämpfte mit einer alten Verletzung, Zuspieler Juan musste sich wegen Adduktorenproblemen schonen, Mittelblocker Magloire hatte pünktlich vor dem Spiel seinen Kampf gegen die Treppenstufen verloren und war somit ebenfalls raus. Was wie ein mittelgroßes Desaster aussah, entpuppte sich dann aber als sonntägliche Glanzstunde der Bisons. Bisonbändiger Wolochin zauberte aus seinem Wundertopf eine Mixtur par excellence mit einem überraschenden, aber mehr als verdienten 3:1 für die Bühler Mannschaft (25:23; 25:22; 17:25; 25:23; 114min).

Eröffnet wurde das Spiel mit einer heissen Tanzeinlage von Studio 86, der Hip Hop Tanzschule aus Baden-Baden. Und gleich danach brannte auch das Parkett lichterloh, als die Starting Six des TV Ingersoll Bühl wie die Feuerwehr loslegte (Sandmeier, Baxpöhler, Jungiewicz, Zhilin, Sobirov, Cléro). Jens Sandmeier schlägt auf den gegnerischen Libero Michael Brinkley auf, der kratzt den Ball vor sich noch aus dem Boden heraus, Sandmeier wiederum erhechtet den Ball in der Abwehr und Slawomir Jungiewicz macht dann den ersten Punkt für die Bühler mit einem Touch und Aus bei der SVG Lüneburg. Für seine Leistung belohnte sich Bühl dann direkt mit einem As von Sandmeier, die Tribüne tobte zum ersten Mal.
In der Folge entwickelte sich ein starkes Spiel auf beiden Seiten, die Bühler profitierten dabei gleichsam von ihren sehr konsequenten Aufschlägen und drei Aufschlagfehlern der zunächst nervösen Heidestädter. Auch im Angriff suchte Bühl den Weg nicht mit voller Gewalt durch den Block, sondern ging immer wieder erfolgreich mit harten Schlägen auf die gegnerischen Blockhände. Die Bälle sprangen unhaltbar weit in die Lüneburger Freizone: 8:6 für die Bisons in der ersten technischen Auszeit.
Hellwach blieben die Bühler in der Folge: ein Klasse-Block von Mittelblocker Noah Baxpöhler, dann ein sauber platzierter Drive von Sandmeier auf die lange Linie und Zuspieler Kristen Cléro legte mit einem Aufschlag-As nach, 11:6 und Auszeit von Gästecoach Stefan Hübner. Dessen Ansage ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: seine Lüneburger sollten jetzt mal endlich anfangen zu spielen, ansonsten hätte er noch genügend Spieler auf der Bank, die auch gerne mitmischen würden. Cléro konterte direkt nach der Auszeit und ganz frech mit einem Netzroller: der Ball tippte nach seinem Aufschlag direkt hinter der Mittellinie auf dem Boden auf. So langsam wurden die Lüneburger doch wach und bei 12:10 nahm Wolochin seine erste Auszeit.

Zurück auf dem Feld zeigten die Bisons, was der Schlüssel zum Erfolg des gesamten Spiels wurde: konsequent im Block Mittelblocker Baxpöhler und stark in der Abwehr "Junglibero" Tim Stöhr. Zuspieler Cléro wiederum hatte genügend Optionen und seine Außen Sandmeier wie Zhilin verwerteten die Pässe ein um das andere Mal. 16:12 gingen die Bisons in die zweite technische Auszeit und kurze Zeit später stand es sogar 19:15.

Spielerwechsel beim TV Ingersoll Bühl: Felix Orthmann und Juan Finoli verschafften Jungiewicz und Cléro eine kurze Verschnaufpause. In der crunch time dann eine sehr kompakte Mannschaftsleistung der Bisons: wiederholt wurden die Bälle von Stöhr hoch abgewehrt und Sandmeier, Baxpöhler und Sobirov machten im Block den Sack zu. Sobirov legte mit einem blitzsauberen, diagonal platzierten Aufschlag-As nach, ein weiterer erfolgreicher Block und ein aufmerksamer Orthmann am Netz, der den Ball von der Netzkannte in die leere Feldmitte tippt: 23:18.

Doch wer sich auf der Tribüne schon zurückgelehnt hatte, der musste nochmals aus seiner Schonhaltung raus: Lüneburg kämpfte mit aller Macht gegen den drohenden Satzverlust, kleinere Fehler auf Bühler Seite taten ihr Übriges dazu und schon war es nur noch Unentschieden bei 23:23. Die kleine Auszeit von Wolochin half, Sandmeier haut das Ding zum 24.Punkt knapp vor die Grundlinie und dann greift der Block von Jungiewicz und Baxpöhler zum 25:23 zu. Adrenalin pur auf dem Feld und auf den Zuschauerrängen, der erste Satz ist geschafft!

Auch im zweiten Satz zeigten die Bühler eine mannschaftliche Geschlossenheit, die förmlich vom Feld auf die Trommler des Fanclubs Baden Rockets und auf die Zuschauer übersprang. Baxpöhler formulierte das zutreffend nach dem Spiel: "Wir haben uns auf dem Feld zerrissen." Was Bühl in der Vorwoche gegen Friedrichshafen an Begeisterung und Spielwitz gezeigt hatte: hier gegen die Lüneburger machte sich das Umlegen des Schalters im Kopf bezahlt. Angriffe wurden druckvoll platziert, Blocks zupackend gesetzt und immer wieder begeisterte die Feldabwehr durch spektakuläre Rettungsaktionen. Die mitreissende Körpersprache der Bisons versetzte die Tribünen in einen Rausch; den wiederum brauchten die Bisons schon gar nicht mehr, sie selbst spielten sich geradezu in denselben hinein. Lüneburg, nun auch hellwach, hielt jedoch voll dagegen und so konnte sich keine Mannschaft bis zur ersten Auszeit absetzen, 8:7 für die "LüneHünen".

In der Folge dann Lüneburg mit dem stärkeren Momentum, so dass Wolochin bei 11:14 aus Sicht der Bisons seine Auszeit nahm. Die Bisons taten sich in dieser Phase des Satzes schwer, Lüneburg mit dem bisschen mehr an Spielwitz rettete sich in die Auszeit mit 16:13. Doch dann war wieder party time im Hexenkessel: 14:17 Jungiewicz, 15:17 nach einer mörderischen badischen Blockmauer und 16:17 durch einen Sprungaufschlag von Sobirov. Stefan Hübner nahm seine Mannen vom Feld und versuchte in der Auszeit, die Lüneburger wieder "grade zu biegen". Es half nichts: Lüneburg verlor peu à peu an Boden, die Bisons starteten nun endlich durch. Jungiewicz zum 17:18, dann kommt Finoli für Cléro zum Aufschlag. Baxpöhler greift beherzt im Block zu und gleicht zum 18:18 aus. Finoli legt zum dritten Mal auf und der in der Folge abgewehrte Ball wird von Sandmeier hinten rechts in der Ecke zum 19:18 versenkt. Finoli macht das Aufschlag-As zum 20:18, der Hexenkessel kocht fast über und Trainer Hübner nimmt seine zweite Auszeit.

Lüneburg zog nach der Auszeit gleich und bei 20:21 war es am Bisonbändiger Wolochin, die richtigen Worte in der Auszeit zu finden. Ruhe und Zuversicht predigte er seinen Jungs und diese Zuversicht nahmen sie dann auch mit aufs Feld. Orthmann kam für Zhilin in die Annahme: mit Stöhr kratzt er den Ball hinten raus und Finoli passt den Ball zu Routinier Jungiewicz, der den Lüneburger Block mal wieder ausspielt. In der Folge dann Baxpöhler mit einem trockenen Angriff zum 22:22, Jungiewicz setzt den Einerblock zum 23, Baxpöhler will da nicht nachstehen und blockt zum 24:22 für die Bisons, die Zuschauer reisst es buchstäblich von den Sitzen! Als Ex-Bühler Matthias Pompe seinen Pipe ohne Touchberührung auf Bühler Seite ins lange Aus drischt, steht es nach 26 langen Minuten 25:22 für den TV Ingersoll Bühl und 2:0 nach Sätzen.

Kein Verschnaufen für beide Mannschaften im dritten Satz: in einem eng geführten Kampf konnte sich zunächst keine Mannschaft absetzen, mit 8:7 ging Lüneburg nach einem knappen Linienball in die technische Auszeit. Die sich anschließende hitzige Diskusion mit dem Schiedsrichter griff Wolochin in der Pause auf. Was die Schiedsrichter entschieden, sei nicht nicht wesentlich. Vielmehr solle sich die Mannschaft auf ihre gute Leistung fokussieren. So wirklich fruchtete diese Ansage nicht, bei 7:10 gingen die Bisons wiederum nach einem knappen Ball zu Gunsten der Lüneburger in die Auszeit.

Die Bühler waren nun wieder wacher, eine sehr starke Einarm-Abwehr von Stöhr wurde jedoch nicht belohnt, Pompe drückte Sandmeier dann am Netz runter und Lüneburg führte weiter mit 12:9. Diesen Vorsprung bauten die Heidestädter dann auf 16:12 aus. Mit dem Doppelwechsel Finoli und Orthmann kam wieder etwas mehr Schwung ins Spiel der Nordbadener, aber Bühl lief diesem Vorsprung bis zum Spielende hinterher, 21:16 und dann 25:17, 2:1 nach Sätzen für die Bisons. Sehr wackelig zu Beginn die Annahme der Bisons, mit 4:1 zwang Lüneburg einen angesäuerten Ruben Wolochin in die Auszeit. Seine deutlichen Wort halfen und die Bühler hatten sich wieder gefangen. Mit einem Monsterblock von Sobirov gegen Pompe kam der Ausgleich zum 4:4. Und für jeden spürbar war da wieder dieser mitreissende Siegeswillen der Bisons, diese unbändige Lust, sich für jeden Ball in die Bresche zu werfen.
Sobirov machte anschließend den schnellen Punkt über die Mitte, ließ bei seinem nächsten Aufschlag Matthias Pompe in der Annahme alt aussehen und Sandmeier platzierte den Ball in die lange Diagonale des gegnerischen Feld, 8:6 und Auszeit für beide Mannschaften. 13:10 dann auf einmal für die Bisons, Jungiewicz mit einem harten Aufschlag, der Ball kommt zurück und Zhilin schlägt von oben auf den Block drauf. Bei 14:10 zieht Stefan Hübner die Reissleine und nimmt eine Auszeit. Bühl hielt aber den Druck aufrecht und kämpfte sich bis zur Auszeit auf 16:12 vor. Bei 17:13 kam Finoli für Cléro aufs Feld, bei 17:16 musste dann Ruben Wolochin hingegen in seine Trickkiste greifen, um seine Mannen in der Auszeit für die crunch time zu motivieren. 18:16, 18:17, 18:18, 19:18, 19:19, 20:19, 20:20, 21:20, 21:21, 22:21: für herzkranke Zuschauer war diese Phase sicher nicht geeignet. Die Emotionen kochten hoch, knappe Entscheidungen auf beiden Seiten brachten noch mehr Würze ins Spiel. Kurz: es waren diese Momente, wo man zuerst jubelte und danach wieder mit seiner Mannschaft litt. Ob Lüneburger oder Bühler, alle Fans peitschten ihre Teams nach vorne, die Halle dampfte schier, Volleyball-Krimi pur! Sobirov legte dann mit seinem fünften Aufschlagpunkt in diesem so wichtigen Abschnitt des Spiels ein echtes Hammer-As hin, Auszeit bei Lüneburg. 23:21. Pompe verkürzte auf 22:23 und zwei anschließende Spielerwechsel bei Lüneburg sollten es richten.

Mitnichten: Sandmeier schlägt nach eigener Annahme einen Krater in die Lüneburger Feldhälfte, so dass die Halle mitsamt Zuschauern fast abhebt. Zwei Matchbälle für die Bisons! Den ersten Matchball wehrt Lüneburg noch ab, doch dann setzt Finoli alles auf eine Karte und spielt aus der Feldmitte über 4m einen Schuss auf Baxpöhler, der krachend den Ball bei Lüneburg einfahren lässt! Da ist das Ding im Kasten: Punkt, Satz und Sieg für die Bisons. Bühler Fans außer Rand und Band toben auf den Rängen und ausgelassene Freude auch bei den Spielern und Trainern des TV Ingersoll Bühl. Mit einem solchen Ergebnis hatte keiner gerechnet und vor allem überzeugte die Mannschaft mit einem Auftritt, der von Anfang an klarmachte, wer das Spiel dominieren und die Punkte abräumen möchte.

Zuspieler Kristen Cléro: "Ich denke, durch unsere ganzen Ausfälle und Verletzungen sind wir mannschaftlich noch enger zusammengerückt. Jeder hat jedem im Feld so gut es ging geholfen, und so haben wir dann am Schluss auch in den knappen Sätzen immer die wichtigen Punkte geholt." Auch sein Zuspieler-Kollege Juan Finoli zeigte sich überglücklich: "Ich bin mehr als glücklich nach diesem Sieg! Ich denke, wir haben heute ein wichtiges Spiel gewonnnen, Wir konnten uns heute alle miteinander kämpfen sehen, als ein Team, was für mich das Wichtigste ist, was ich von diesem Wochenende mitnehme. Jetzt kommen unsere direkten Gegner und diese Punkte müssen wir auch für unseren Tabellenplatz holen."

MVP des Tages und überragend im Block, im Angriff und vor allem im Aufschlag war Mittelblocker Akhrorjon Sobirov. Auch er ist mehr als zufrieden: "Wir haben besser gespielt, als ich es selbst erwartet hätte. Jeden Tag werden wir besser, weil wir sehr gut trainieren und uns die Coaches in diesem Prozess sorgfältig begleiten. Das ist der Schlüssel zum heutigen Erfolg gewesen."

Team-Manager David Molnar: "Druckfrei, mit freiem Kopf hat die Mannschaft heute eine super Leistung abgerufen. Ich bin sehr, sehr froh, dass wir die drei wichtigen Punkten geholt haben. Aber was für mich persönlich noch wichtiger ist: Ich habe ein Team gesehen, das bis zum letzten Ball gekämpft hat!
Mit einer solchen Einstellung können wir noch viel erreichen!"

Weiter geht es am 04.Februar in Rottenburg und dann am 11.Februar wieder zu Hause im Hexenkessel gegen Solingen (Spielbeginn 20:00 Uhr).

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