Verkrampfte Bisons: Klares 3:0 für Uniteds

14.10.2017

Mit einer 0:3 Niederlage (19:25/19:25/14:25) starteten die Bisons gegen Frankfurt in die neue Saison. Nach dem Spiel war der Frust mit Händen zu greifen, denn zu deutlich hatten die Gäste den Hexenkessel dominiert. Auch am Tag nach dem medialen Hype um die "2 Japaner in Bühl" war die Enttäuschung bei den Spielern der Volleyball Bisons Bühl noch nicht überwunden.

Eine Woche lang hatten die Bühler Lokalnachrichten BT und ABB sowie die vereinseigenen social medias die Werbetrommel gerührt, um vor voller Halle spielen zu können. Begleitet wurde das Ganze von Japans größtem Fernsehsender FUJI TV und dem SWR Stuttgart, die in der vergangenen Woche Bildmaterial rund um den ersten japanischen Spieler in Bühl - den Nationalspieler Masahiro Yanagida - sammelten und neben der live stream-Kamera das Spiel aufzeichneten.

youtu.be/OUNRjBM6if4

Zuschauertechnisch hatte sich der Aufwand gelohnt: 1.500 Gäste füllten die fast ausverkaufte Neue Sporthalle und die rund 25 TV-Mitarbeiter, Fotografen und Journalisten aus Deutschland und Japan boten in ihren neongelben Westen genügend Gesprächsstoff.

Spielerisch hingegen war bald klar, dass die Gäste aus Frankfurt sich davon nicht beeindrucken ließen. Im Gegensatz zu den Bisons starteten die Uniteds sehr fokussiert in das Duell. Auf Bühler Seite überwogen Nervosität und Anspannung, entsprechend wurden sehr viele Eigenfehler produziert.
Mario Schmidgall und Tim Stöhr im Rückblick zum Spiel: „Wir waren alle nervös und teilweise auch übermotiviert. Als es dann nicht gelaufen ist, konnten wir nicht zur Spielfreude zurückfinden, die uns bei den Vorbereitungsspielen geholfen hat.“ Krampfhaft bemühten sich die Bisons, ihr Spiel aufzubauen, aber vor allem Frankfurts kompromisslose Umsetzung im Aufschlag und Angriff bestrafte das Bühler Team für jeden der häufigen Eigenfehler.

United-Zuspieler Patrick Steuerwald legte zudem glänzend vor und spielte immer wieder einen Bühler Block aus, der zu oft danebengriff bzw. gar nicht so schnell reagieren konnte, wie die Bälle im eigenen Feld einschlugen. Der von Herrsching an den Main gewechselte Passgeber konnte dabei auf eine ganze Reihe exzellenter Angreifer zurückgreifen: hier taten sich vor allem Lincoln Williams und Moritz Karlitzek hervor. Karlitzek holte sich mit 15 Punkten die MVP-Goldmedaille und die begehrte Bison-Uhr als besonderes Geschenk an den besten gegnerischen Spieler. Ebenfalls 15 Punkte konnte Williams auf seinem Konto verbuchen. Der Australier agierte auf der Diagonalen bärenstark und ließ der Bühler Abwehr kaum eine Chance.

Headcoach Ruben Wolochin fasste den aus Bühler Sicht leider zu kurzen Abend treffend zusammen: „Wir wussten, dass es gegen Frankfurt sehr schwierig wird, selbst wenn wir sehr gut spielen. Das Team war sehr nervös, das hat leider dazu geführt, dass wir uns deutlich unter Wert verkauft haben. Wenn man vom Ergebnis absieht, dann war dies aber für uns ein fantastischer Abend. Die heutige mediale Aufmerksamkeit ist für Bühl und auch für die Volleyball Bundesliga sehr wichtig und ich hoffe, dass das Medieninteresse noch länger anhalten wird.“

Geschäftsführer Manohar Faupel sieht das ähnlich, bleibt dabei jedoch selbstkritisch: „Wir haben alles dafür getan, dass die Halle voll wurde und die beiden Fernsehteams professionell arbeiten konnten. Den japanischen Fotografen und Pressevertretern haben wir die Möglichkeiten gegeben, rund um das Spielfeld die beiden japanischen Spieler Masahiro Yanagida und Issei Otake im Blick zu behalten. Wahrscheinlich haben wir unser junges Team überfordert, das mit einem solchen medialen Rummel und der Stimmung in der Halle noch nicht umgehen kann.“
Faupel wirbt um Verständnis und Geduld bei den Fans: „Wir wussten, dass es kein Spaziergang mit dem neuen Team wird. Auch wenn die Vorbereitungsspiele teilweise sehr gut liefen, Frankfurt gehört zu den Titelfavoriten in dieser Saison. Wir werden in der Vorrunde sicher einige Niederlage kassieren, alles andere wäre unrealistisch.“

Für Headcoach Ruben Wolochin gilt die klassische Managementregel „forming-storming-performing“: „Wir haben ein neues Team zusammengestellt. Jetzt sind wir in der stürmischen Phase angekommen, wir werden Fehler machen und müssen daraus lernen. Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft ihr großes Potential bald unter Beweis stellen wird.“

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