Stumpfe Klinge: Solingen verliert in Bühl

12.02.2017

Weiche Schale, harter Kern, so ist die Bühler Zwetschge. An dieser arbeiteten sich die Klingenstädter erfolglos ab. Im Hexenkessel Bühl war nach 82 Min. das Spiel 3:0 zu Ende (25:20; 25:21; 25:20).

Entgegen der Befürchtungen der Bisons waren doch gut 1.000 Zuschauer in den Hexenkessel gekommen. Kein schlechtes Ergebnis für die Tatsache, dass ganz Bühl und Umgebung von Narren und Hexen und Kappenträgern bevölkert war, überall waren Prunksitzungen und Faschingsparties. So gesehen, war die Neue Sporthalle gefühlt der einzige Ort an diesem Samstagabend, an dem keiner in die "Bütt" stieg.

Obwohl, ganz richtig war das auch nicht: die Fans sahen ein Spiel mit Höhen und Tiefen, ein glückliches Team nach dem Arbeitssieg mit 3:0 und einen echten Promi. Diese sehr kurze Zusammenfassung passte wahrscheinlich an diesem Abend für die Fastnachtssitzung in Kappel genau so wie für das Spiel der Bisons.

Der Promi in der Sporthalle war niemand anderes als Volleyballlegende Andrea Giani, der gerade Mitte der letzten Woche seinen neuen Vertrag als Bundestrainer beim DVV unterschrieben hatte. Giani, die aktive Generation der 90er Jahre wird sich bestens erinnern, ist mit 474 Länderspielen Italiens Rekord-Nationalspieler und mit einer Liste von fast 40 nationalen, internationalen und olympischen Titeln 2008 in die "Volleyball Hall of Fame" aufgenommen worden. Seit 2008 betätigt er sich an der Seitenlinie als Trainer und führt dort seine Erfolgsgeschichte fort: 2015 holte er mit der slowenischen Nationalmannschaft sensationell Gold in der Europaliga und Silber bei der EM. Von daher war es für Hallensprecher Oliver Stolle eine besondere Ehre, Andrea Giani vor dem Spiel vorzustellen und dem 1,96m großen Napolitaner die Hand zu schütteln. Und noch eine abschließende Bemerkung zu Andrea: neben der Teilnahme an fünf olympischen Turnieren glänzte er auch mit der Tatsache, dass er sehr erfolgreich als Mittelblocker, Außenangreifer und Diagonalspieler eingesetzt wurde. Von daher wünschen auch die Bisons dem neuen Bundestrainer viel Erfolg für seine neue Mission!

Ein bisschen von dem Glanz des Italieners wollten die Bisons gleich zu Spielbeginn mitnehmen, Magloire Mayaula setzte den ersten Punkt des Spiels gleich mit seinem wohlbekannten Kracher. Danach sah alles "easy going" aus: einmal mehr als Libero übernahm Tim Stöhr viel Verantwortung in der Annahme, Slawomir Jungiewicz (Diagonal) und Felix Orthmann (Außen) knallten den Solingern die Bälle nur so um die Ohren und Juan Finoli sowie Akhrorjon Sobirov griffen erfolgreich als Block-Duo zu. Bei 8:3 gingen die Bisons in die technische Auszeit. Bis 12:6 dominierten die Bisons den ersten Satz, dann begann sich Solingen zu wehren und es entwickelte sich phasenweise ein sehr gutes Spiel mit teils spektakulären Abwehraktionen und Ballwechseln. Gleichzeitig verloren die Mannen um Cheftrainer Ruben Wolochin ihren roten Faden, Annahmefehler und ins Aus geschlagene Bälle brachten die Klingenstädter bis auf 13:13 wieder ran. Bei 16:13 für die Bisons ging es in die nächste technische Pause. Danach das gleiche Bild wie zuvor: sowohl Solingen als auch die Bisons glänzten mit gekonnten Aktionen, leisteten sich aber gleichzeitig unnötige Patzer. Sicher war es kein Spiel auf hohem Niveau, aber wichtig war, dass die Bisons nach dem Spiel in Rottenburg die Nerven behielten und sich kontinuierlich richtig Satzmarke schoben. Die Nummer 25 auf der Anzeigetafel gehörte dann Zuspieler Juan Finoli, der das Aufschlagduell gegen Libero Lennart Bevers von den Solingern mit einem Aufschlagass gewann.

Satz 2 wirkte wie eine Kopie des vorhergehenden Schlagabtauschs. Wirklich in Gefahr waren die Bisons nie, aber ein überragendes Momentum gegen den Tabellenletzten war auch nicht zu spüren. Das war auch der Anzeigetafel im zweiten Durchgang zu entnehmen: Solingen ließ sich nicht abhängen und beide Mannschaften pausierten mit 8:7 für Bühl an der Seitenlinie. Damit ein Zeitsprung zum 16:15 und zur zweiten technischen Auszeit, denn nichts hatte sich an der Situation geändert. Manches war für Volleyballfans in diesem Satz eher anstrengend anzuschauen, wie das auch einer der Fans nach dem Spiel kurz und knapp formulierte: "schön ist was anderes, aber es sind drei wichtige Punkte". Bei 20:17 legten die Bisons endlich den höheren Gang ein: besonders in dieser Phase überzeugte Mittelblocker Sobirov mit seinen langen Armen und stellte eine unüberwindliche Mauer für die Solinger dar. Somit war es nur logisch, dass der 2,08m große Usbeke den Blockpunkt zum 25:21 und damit zum Satzpunkt setzte.

Der Beginn des dritten Satzes war für die Bühler Fans kein Highlight: Aufschlagfehler auf beiden Seiten und die Solinger mit einem besseren Block und dem Quäntchen mehr Glück. Erst Sobirov und Orthmann konnten den Punktestand gegen die Mannschaft aus dem Bergischen Land mit einem 3:3 einstellen. Dann bauten Sandmeier mit einer Hinterfeldkeule, das Block-Duo Finoli/Sobirov und Felix Orthmann den ersten Vorsprung zum 7:4 aus; Orthmann steuerte hierzu zwei Aufschlagasse hintereinander bei. Den Punkt zur ersten technischen Auszeit lieferte dann Routinier Jungiewicz mit einem trockenen Knaller, Spielstand 8:5. Danach kam Sobirov zum Aufschlag, Noah Baxpöhler machte dann den Abschluss in der Mitte. Anschließend eine wirklich sehenswerte Aktion des dritten Durchgangs: Sobirov schlägt auf, der spätere Silber MVP Benny Nibbrig prügelt das Ding auf Orthmann, der den Ball ins Netz abwehren kann. Finoli spielt ihn heraus und auf Jungiewicz, der ihn aber nur noch rüberpritschen kann. Den nächsten Angriff wehrt dann Jungiewicz mit einem Hechtbagger spektakulär ab, den zugespielten Ball knallt Sandmeier in den gegnerischen Block, doch der Ball wird von Finoli reaktionsstark mit dem Fuß gerettet. Nach dem - in die eigene Aufschlagzone fliegenden - Ball hechten sich schließlich noch Sobirov und Orthmann, aber der Punkt geht an Solingen: 9:6. In der Folge behielten die Bisons aber die Oberhand über das Spielgeschehen und gingen berechtigt mit 16:11 in die zweite lange Auszeit. Die beiden vorhergehenden Ballwechsel waren ebenfalls Hingucker, wehrte doch Jungiewicz jedes Mal zuerst stark ab und ging dann mit seinem Hammerarm zum erfolgreichen Gegenangriff über. Finoli zog mit einem Ableger nach, dann Orthmann mit zwei klasse Aufschlägen zum 20:13.

Bei 21:14 neigte sich das Spiel seinem Ende zu, Wolochin gab Finoli die verdiente Ruhepause und Kristen Cléro übernahm die Rolle des Strippenziehers. Nächste Stationen dann 21:15, 22:16, 23:17. Das 24:18 holte sich Baxpöhler mit Orthmann im Doppelblock, somit sechs Matchbälle für die Bisons. Den ersten wehrte Solingen noch ab, mit einem Annahmefehler auf Bühler Seite servierte man dann Solingen die Steilvorlage für den zweiten abgewehrten Matchpunkt. Wolochin gönnte sich und seinen Jungs eine letzte Auszeit bei 24:20. Der letzte Spielzug des Abends dann wieder ein Tief-Hoch-Moment: ein weiterer Annahmefehler, der Dankeball kann von Solingen aufgebaut werden, landet jedoch nach missglückter Abstimmung auf deren Seite erst im Netz und dann auf dem Spielfeld. Mit 25:20 endet ein Spiel, welches sicherlich nicht hohem Niveau überzeugte, aber dennoch einige tolle Szenen für die Fans geboten hatte. Wichtiger waren jedoch für die Bisons drei wichtige Punkte für eine möglichst gute Tabellenplatzierung: Daher feierte sich die Mannschaft zu Recht nach dem Spiel und schob gerne mit den Fans ein paar extra "Trainingseinheiten" in Form von "La Olas".

Gold MVP der Bisons wurde Felix Orthmann (14 Punkte): Wie der neue Bundestrainer musste er sich in dieser Saison als Universalspieler beweisen. Von der Diagonalen zum Mittelblock und dann wieder zur Außenposition. Verdient hatte sich Orthmann die Medaille durch sehr variable Aufschläge und ein extrem gefühlvolles "Händchen" im Angriff, ob beim "Draufhauen" oder mit seinen exakt platzierten Lobs. Da dürfte ihn sicher gefreut haben, dass er wie Silber MVP Benny Nibbrig, der 18 Punkte für Solingen geholt hatte, sein Edelmetall von Andrea Giani persönlich überreicht bekam.

Nun mit 20 Zählern in der Tabelle punktgleich mit Herrsching, machen sich die Bisons am kommenden Wochenende nach Berlin auf (am Samstag gegen die Netzhoppers, am Sonntag dann gegen den VCO Berlin). Ein hartes und saisonentscheidendes Wochenende für unsere Bisons, wir wünschen viel Erfolg

Foto: Lucas Martin

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