Steinböcke stürzen bei Bisons-Jagd ab

21.01.2018

Zur „Bisons-Jagd“ hatte Unterhaching vor seiner Anreise aufgerufen. Da hatten sich die Alpenvolleys doch etwas verschätzt und kollerten lawinenartig mit einer 0:3 Niederlage ins Tal der Zwetschgen (25:22; 26:24; 25:19).

Am Vormittag des Heimspieltages stand der Mannschaftsbus der Gäste direkt vor der Halle, an der Seite Werbung für die bekannte Zillertal-Bahn. Prompt wurde auf die „Bisons-Jagd“-Ankündigung der Alpenvolleys hin eine entsprechende Facebook-Replik formuliert: die Zillertal-Bahn fahre an diesem Tag wohl von Innsbruck bis nach Bühl durch, wo dann aber Endstation für die österreichisch-bayrische Erstliga-Combo sei.
Pikanterweise ist die Zillertalbahn eine Schmalspurbahn und stellenweise sah das Spiel der Alpenvolleys genau danach aus. Wobei fast 1.200 Zuschauer eindeutig feststellen konnten, dass die Bisons mit einer puren Essenz aus mannschaftlicher Geschlossenheit, dem Willen, keinen Ball aufzugeben, hohem Aufschlagdruck und einem variablen Angriff ihre Kollegen aus den Alpen kontrollierten und sie gar nicht erst ins Spiel kommen ließen.

Größtes badisches Lob für die Bisons

Auch Headcoach Ruben Wolochin war zufrieden: „Wir haben heute sehr gut gespielt. Der Druck im Aufschlag war genau richtig. Masa war wieder sehr gut und auf der Diagonalposition hat Iurii Kruzhkov den Gegner mächtig unter Beschuss genommen.“ Sogar den lokalen Journalisten entschlüpfte ein „Man kann nix sagen“, was gemeinhin als größtes badisches Lob gilt.

Dazu gab es aus Bühler Sicht auch allen Grund, denn Bühler Fans sowie 10 angereiste Unterstützer im grünen „Hachinga Hammablock“ sahen beide Mannschaften zunächst auf Augenhöhe. Die Bisons hatten aber in diesem Spiel die notwendige Abgeklärtheit trotz knapper Spielstände, machten die drei Sätze konsequent dicht und ließen nichts anbrennen. Besonderes Lob gab es von Team-Manager David Molnar für den zweiten Satz: „Gegen Lüneburg und Frankfurt haben wir den Sack noch nicht zumachen können und die beiden knappen und wichtigen, zweiten Sätze verloren. Jetzt sieht man, dass die Mannschaft den nächsten Schritt gemacht hat und wichtige Breaks in der crunch time holt.“

Nach erstem Abtasten übernehmen Bisons die Initiative

Mit einer langen Rallye startete das Spiel und fast schon standesgemäß schloss der „Hunter Masa“ mit dem ersten Punkt über die Außenposition ab. Schmidgall wehrt den nächsten Hachinger Hammer-Angriff ab, aber der Ball geht knapp ins Aus. Aufschlag und nachfolgender Angriff der Gäste ebenfalls im Aus, bevor Haching den nächsten Ball auf der Seitenlinie versenkt.
Yanagida kann den folgenden Block gegen ihn nicht knacken, legt aber direkt mit einem gefühlvollen Ball nach, man lerne: es muss nicht immer hart sein (4:3). Der Japaner platziert in der Folge sein erstes Ass auf die Seitenline zum 5:4. Iurii Kruzhkov spielt sich mit einem Blockout frei (7:5), aber Haching geht mit erfolgreichen Block gegen Yanagidas Hinterfeldangriff knapp mit 7:8 in Führung.

Nach der Auszeit machen Tim Stöhr, David Pettersson und Kruzhkov im Dreierblock die Punkte zum 9:9 und 10:9. Jedoch immer wieder erfolgreich die Hachinger: sobald Bühl den Aufschlagdruck verringert, wird das mit einem meist erfolgreichen Hammer-Angriff beantwortet.
Aber das kann Kruzhkov auch und donnert den Ball zum 13:12 ins gegnerische Feld. Yanagida serviert einen Hammer-Aufschlag, leider abgebremst durch die Netzkante, die Hachinger Annahme schiebt den Ball nach vorne, aber der Angriff wird wieder durch einen Dreierblock von Stöhr, Magloire Mayaula und Schmidgall dem Angreifer direkt vor die Füße zurückgeschickt (15:14). Dann nochmals Yanagida: er nutzt die Netzkante, der Aufschlag wird leicht abgefälscht und schlägt zwischen den Annahmespielern ein, Bühl führt zur zweiten technischen Auszeit mit 16:14.

Drei Asse des „Hunter Masa“ bereiten crunch time vor

Danach geht es mit dem dritten Aufschlag-Ass des „Hunter Masa“ weiter: das 17:14 macht er mit einem direkten Serve zwischen zwei Annahmespieler, Auszeit Haching. Aber das lässt den japanischen „Kanonen-Arm“ - ein weiterer Spitzname, den ihm die Bundesliga verliehen hat - so ziemlich kalt. Mit Härte und Präzision schießt er das vierte Ass in diesem Satz am Kopf des sich duckenden Liberos vorbei und zielsicher auf 8,50m ins Feld rein (18:14). Coach Chrtiansky - mehr als genervt - nimmt seine zweite Auszeit.

Mayaula legt dann zum 19:15 nach und geht selber zum nächsten Aufschlag. Die Alpenvolleys greifen aus der sauberen Annahme heraus außen an, der wuchtig geschlagene Ball wird von Stöhr abgewehrt, Schmidgall passt zu Yanagida zum Hinterfeldangriff, doch der wird vom gegnerischen Block gebremst. An Spannung und Emotionen fehlte es auch nicht in diesem Spielabschnitt und die mitfiebernden Fans kamen voll auf ihre Kosten. Vor allem, da Kruzhkov auf Diagonal nun immer besser ins Spiel kam: Der junge Russe machte das 20:16, indem er zielsicher den Liberofuß auf der Seitenlinie streifte.

Wolochin nimmt bei 20:18 dann seine erste Auszeit, um sein Team auf den letzten Satzabschnitt vorzubereiten. Kurze Diskussionen beim Hachinger Punkt zum 20:19, aber Kruzhkov schickt die Antwort gleich hinterher und wuchtet den Ball mit Hilfe des gegnerischen Blocks ins Seitenaus: 21:19. Felix Orthmann kommt für Yanagida und Chris Zuidberg für Pettersson, der Luxemburger macht seinen ersten Aufschlag für die Volleyball Bisons Bühl, die Gäste aber erfolgreich in der direkten Replik, Rückwechsel Yanagida und Pettersson, es steht 22:21.

Kruzhkov liefert verlässlich den nächsten Punkt ab, doch Haching bleibt dran, weiter nur ein Punkt Abstand in der crunch time (23:22). Der nächste und wichtige Punkt der Bisons kommt von Mayaula: er schlägt die Murmel platziert an die Seitenlinie, Satzball Bühl. Wieder Yanagida im Service: sein Dampfhammer kann vom Gegner gerade noch angenommen werden, fliegt direkt wieder zu Bühl zurück und Kruzhkov kloppt auf den Ball drauf. Abwehr jetzt bei Haching, aber der folgende Angriff wird sauber vom Dreierriegel Stöhr, Mayaula, Schmidgall ins freie Feld geblockt!
Bühl gewinnt somit den ersten Satz mit 25:22. Die Halle tobt, die Gäste des Bühler Hexenballs im unweiten Bürgerhaus am Neuen Markt müssen den Eindruck gehabt haben, die Walpurgisnacht spiele sich nicht bei ihnen, sondern in der Neuen Sporthalle ab.

Nasenbruch in der Auszeit: Dramatisches Aus für Pascal Bäuerle

Die Cheerleadergruppe „Red Flames“ der Badner Greifs heizte die Stimmung während des Seitenwechsels noch weiter an. Zum zweiten Mal in der Saison legten sie eine heiße Choreographie bei den Bisons hin und der Eindruck war: „alles gut“.

Mit einem Annahmefehler der Bisons und einem Ass der Hachinger starteten die Bühler in die nächste Runde. Yanagida eröffnete wieder den Reigen bei Bühl, 1:2. Danach ein Ball über die Mitte ins Bühler Feld und eine schlechte Annahme. Es stand 1:4, als Wolochin den Spielfluss unterbrach und seine erste Auszeit nahm.

Doch die Auszeit war noch nicht vorbei, als der erste Bühler Spieler verletzungsbedingt die Einspielzone verließ. Beim Warmlaufen hatte Jungbison Pascal Bäuerle versehentlich den Ellbogen von Mittelblockerkollegen Yannick Goralik ins Gesicht bekommen. Mit einem Nasenbruch und heftig blutend wurde er in die Klinik gebracht. Die Blutung konnte gestillt werden, die Nase muss zum Glück nicht gerichtet werden. Für Bundesliga-Cotrainer und Coach der Herren II Leo Castellaneta sowie Abteilungsleiter Oliver Stolle dennoch eine echte Katastrophenmeldung, denn Pascal Bäuerle fällt damit in der Oberliga-Mannschaft für die nächste Zeit aus.

Trotzdem musste es für die geschockten Bisons weitergehen: Den folgenden lange Ballwechsel entschied Bühl für sich durch Yanagidas Blockout-Attacke, 2:4. Bei 3:6 dann ein Spielerwechsel Bühl, Balster kam für Stöhr ins Spiel. Kruzhkov packte seinen ersten Hammer in Runde zwei aus, 6:7, doch die Alpenvolleys halten mit den besseren Nerven dagegen, 6:8 und damit technische Auszeit.

Nach der Pause Balster per Blockout zum 7:8 und der nächste Angriff der Gäste knapp im Aus zum Ausgleich. Den 9:11-Stand verkürzt Kruzhkov wieder auf 10:11. Für einen weiteren Punkt von Yanagida muss sich Schmidgall dann ganz langmachen und sehr dicht am Netz zuspielen: es gelingt und steht 11:12. Kruzhkov macht ein Aufschlag-Ass zum 12:12, danach wieder Yanagida: Aus einem Notball von Schmidgall macht er einen überraschenden Angriff und lässt die gegnerische Abwehr alt aussehen. Schmidgall legt einen Ball bei den Alpenvolleys ab, der wird abgewehrt, doch der Angriff geht ins Aus, Bühl führt das erste Mal in Runde zwei mit 14:13.

Bisons und 1.200 Fans im gemeinsamen Flow

Jetzt war der Hexenkessel wieder am Kochen: Die Fans zogen sich an der Mannschaft hoch, die Lautstärke und die Temperaturen stiegen. Die Mannschaft wiederum nahm die vibes von den Tribünen auf, die Bisons waren wieder 100% präsent. Kruzhkov stellt dies eindrucksvoll mit seiner Keule zum 15:14 unter Beweis. Die Hachinger konnten zwar mit 15:16 in die Führung und Auszeit gehen, aber Kruzhkov macht das anschließende 16:16 und pflückte zusammen mit Pettersson den Blockpunkt zum 17:17. Den nächsten machen Mayaula und Yanagida zum 19:18, Kruzhkov baut die Führung zum 20:18 aus, Auszeit Alpenvolleys.

Mit rhythmischen Anfeuerungsrufen wurden die Bisons von ihren völlig euphorisierten Fans wieder aufs Spielfeld zurückgerufen. Die Stimmung wie beim Pokal-Halbfinalspiel gegen Herrsching und Dennis Praesetyo sowie Oli Stolle schalteten in der Animation noch einen Gang höher, für die letzten fünf Punkte im zweiten Satz und den ersten Punkt.
Der Hachinger Block bremste Yanagida aus (20:20), Netzfehler bei Bühl und schon waren die Bisons wieder hintendran (20:21). Wolochin nahm seine Auszeit und sie wirkte: ein weiterer Aufschlagfehler beim Gegner, Ausgleich. Yanagida nahm für Orthmann draußen Platz, Kruzhkov ging im Aufschlag volles Risiko, die Annahme hielt den Ball gerade noch im Spiel, doch der Angriff von Haching hinten weit ins Aus und ohne Berührung, trotz lautstarker Reklamation, es stand 22:21. Chrtiansky nutzte seine letzte Auszeit im zweiten Durchgang, um die unter Druck stehenden Alpenvolleys zu mobilisieren.

Bisons zeigen learning aus Lüneburg- und Frankfurtspiel

Jetzt galt’s in der crunch time, der kommende Spielabschnitt würde wichtig werden, das war beiden Teams klar. Rückwechsel Yanagida bei 22:22, Kruzhkov wird im Block ausgebremst (22:23), doch Mayaula egalisiert mit seinem harten Angriff durch die Mitte, 23:23. Balster holt den Satzball: er schlägt den Block an und der Ball fliegt unhaltbar ins Aus.

24:23, sollte es so einfach sein? Natürlich nicht, wie in Lüneburg und Frankfurt gingen die Bisons in die Satzverlängerung, Yanagida zielt auf die lange Ecke im Aufschlag, doch der Ball fliegt zu lange - Aus und damit 24 beide. Dafür macht er aber direkt den nächsten Punkt mit seiner Hinterfeld-Attacke, wieder Satzball, 25:24.
Zuidberg geht für Mayaula an die Aufschlaglinie, sein langer Ball auf den Libero lässt dem Zuspieler keine großen Optionen und der Angriff aus der Mitte ist mehr ein sanfter Schlag denn Attacke. Schmidgall gibt den Ball Kruzhkov und der macht das Ding mit einem gewaltigen Hammer auf die gegnerischen Blockhände perfekt. Der Ball fliegt unhaltbar weit ins aus und es steht 26:24 für Bisons.

Spätestens jetzt war es zu spüren, das Gefühl, dass die Bisons eine kleine Sensation erspielen könnten. Nicht so wenige hatten mit einem 3:2, viele mit einem 3:1 gerechnet, nur wenige hatten im Tippspiel auf ein 3:0 gesetzt. Fanclub-Vorsitzender Dieter Habich gab nach dem Spiel zu, er habe auf ein 3:0 gewettet, was aber völlig maßlos gewesen sei. Er ließ sich im dritten Satz dann eines (positiven) Anderen belehren.

Bisons halten Druck auch im dritten Durchgang hoch

Yanagida legte wie zuvor den ersten Punkt als Grundstein, dann direkt Pettersson und der Japaner im Block. Der dritte Bisons-Punkt mit einem trockenen Knall wieder vom „Hunter Masa“ und erst Balsters vierter Aufschlag in Folge wurde durch den Hachinger Angriff verwandelt, 3:1. Doch Pettersson ließ mit dem 4:1 über die Mitte keinen Zweifel aufkommen, welches Team auch den dritten Satz zu holen gedachte. Kruzhkov setzt seinen Angriff knapp neben die Seitenlinie, Mayaula wird geblockt, schon war es wieder mit 4:4 ausgeglichen.
Der Hunter machte den nächsten Punkt für Bühl, Kruzhkovs Dampfhammer-Arm den Punkt n° 6. Schmidgall mit einem Blockout-Ableger das 7:6 und durch Yanagidas folgenden Punkt gingen die Bisons mit 8:7 in die technische Auszeit.

Tomas Ruiz lieferte mit einer perfekten Annahme die Vorlage für Petterssons 10:8. Und der lange Ballwechsel danach zeigte, wie geduldig die Bisons auf ihre Chance warteten: immer wieder griffen sie an, wehrten ab und bauten den Spielzug solange neu auf, bis die Gelegenheit da war und „Hunter Masa“ den Ball zum 11:9 nicht ins Feld prügelte, sondern sanft über den Block in die freie Spielfläche streichelte. Die „harte Arbeit“ überließ er Mayaula: der machte in der Mitte kurzen Prozess und das 12:9. Kruzhkov wiederum passte sich diesem zart/hart-Schema an: sein Aufschlag zum 13:10 mit weniger Dampf als sonst an diesem Tag, aber perfekt dem Annahmespieler vor die Füße gespielt.

Balster entschärft den Aufschlag von Haching und Kruzhkov legt ab, der Ball wird noch einmal gespielt, geht aber dann ins Aus, es steht 14:11. Das 15:12 kommt mit etwas Glück für die Bisons: Haching reklamiert während des laufenden Spielzugs eine Netzberührung durch den Bühler Block, die Bisons bleiben aber weiter fokussiert am Ball und Kruzhkov zündet den Nachbrenner im Arm. Doppeltes Glück beim Ball zur technischen Auszeit: der Angriff der Alpenvolleys bleibt an der Netzkante hängen, 16:12, Durchschnaufen war angesagt. Sowohl für die auf dem Feld ackernden Bisons, aber auch für deren Fans. Die trugen ihr schweißtreibendes Soll dazu bei, dass der Bühler Hexenkessel seinem Namen wieder alle Ehre machte.

Vollgas im Finish: Alpenvolleys zerbrechen unter zunehmendem Druck

16:15 dann der Stand nach einem kuriosen Ballwechsel, Auszeit von Wolochin und die Gelegenheit, nochmals den Fokus auf die wichtigen Punkte des letzten Spielabschnittes zu richten. Das schien direkt angekommen zu sein, Balster mit einer sauberen Annahme zu Schmidgall und dessen Ball für den Pipe aus dem Rückraum kam in perfekter Höhe für Japans Ausnahme-Volleyballer (17:15).
Auch Chrtiansky nahm eine Auszeit bei 18:15, doch der nächste Angriff von Haching ging ins Aus.

Beim 19:16 von Haching verschwindet Libero Tomas Ruiz kurz hinter der LED-Bande: einmal mehr eine starke Abwehr von Schmidgall, der folgende Angriff der Gäste - sensationell von Yanagida erhechtet - fliegt über die seitliche LED-Bande. Ruiz kommt nicht mehr an den Ball, kippt aber noch slapstickartig über die Bande und liegt dann den Cheerleadern und dem Fanclub sozusagen „zu Füßen“. Das herzliche Gelächter der Zuschauer und der Szenen-Applaus nach seinem unversehrten Wiedererscheinen zeugt von der guten Stimmung in der Halle und der Zuversicht der Fans, dass auch diese Szene die Bisons nicht mehr davon abhalten würde, sich die drei Punkte in drei Sätzen zu holen.

Dieses Vertrauen belohnen Balster und danach Kruzhkov mit ihren folgenden Blockouts, 21:16. Letzte Auszeit der Alpenvolleys und noch ein Spielerwechsel, aber mit 22:17 biegen die Bisons auf die Zielgerade ein. Zuidberg kommt nochmals als Aufschlagwaffe für Pettersson, der Luxemburger macht einen guten Job. Das Zuspiel kann nur noch im Bagger hinter dem Schiedsrichterstuhl erfolgen, aber irgendwie schaffen es die Alpenvolleys den Bühler Block beim Angriff zu berühren (22:18).

Mayaula macht den 23.Punkt, Haching schenkt den nächsten Aufschlag her (24:19) und jetzt stehen wirklich alle, denn es heißt „Matchball für Bühl“ nach lediglich 72 min Spielzeit.
Goralik kommt für Mayaula als Blocker, doch das nicht mehr notwendig. Der „Hunter Masa“ schlägt noch einmal auf bzw. zu und die Hachinger Annahme reicht nur mehr für einen Sicherheitsball. Ruiz spielt die Murmel routiniert zum Zuspieler, Schmidgall sieht das Loch am Hachinger Netz und gibt Kruzhkov mit seinem Pass freie Bahn für den letzten Klopper. Und der Russe trümmert den Ball unhaltbar rechts vom Libero auf den Boden. UND DA IST DAS DING! An die Konfettiparade vom Dezember kommt die Stimmung in der Halle nicht ran, aber sie ist nicht weit weg davon.

MVP-Ehrung und Fernseh-Übertragung „made in Japan“ / Glückwünsche aus Fernost

Offizielle Glückwünsche dann von Masumi Hashizume, dem Direktor Team Asia Projekt Management der SCHAEFFLER Gruppe, LuK-Standort Bühl. Der Japaner lebt und arbeitet in der Zwetschgenstadt und es ist ihm eine besondere Freude, die besten Spieler auszuzeichnen.
Die Silber-Medaille und die Bisons-Uhr geht an Daniel Koncal von den Alpenvolleys, die Gold-Medaille für seine sehr gute Leistung an den 19jährigen Mario Schmidgall. Mit seiner Passverteilung, seiner Abwehrleistung und seinen Aufschlägen war er Dreh- und Angelpunkt des Spielgeschehens. Dass sowohl Yanagida wie auch Kruzhkov mit jeweils 18 Punkten die Top-Scorer des Spiels waren, auch das ein Verdienst des jungen Zuspielers vom Bodensee.

Während die Bisons sich selbst feiern, treffen auf Facebook schon Glückwünsche aus Japan ein: Vivienne, ein Mitglied der Baden Rockets aus Singapur, gratuliert herzlich zum Sieg. Auch sie ist seit letztem Sommer ein heißer Fan der Volleyball Bisons Bühl. Als sie hörte, dass Masahiro Yanagida in Bühl spielen wird, ist sie als erste Japanerin direkt dem badischen Fanclub beigetreten. Dass die Überweisungsgebühren dafür deutlich höher waren als die eigentlichen Kosten für den Jahresbeitrag, geschenkt. Für einen echten „Hunter Masa“-Fan scheint kein Aufwand zu groß und kein Weg zu weit zu sein.
Das denkt auch Takako, die sich am Donnerstag von Tokyo auf den Weg gemacht hat, nur um das Spiel zu sehen. Sie ist völlig begeistert, viele andere Japaner in der Halle zu treffen, kauft gleich einen ganzen Schwung Masa-Fanshirts und 3 Exemplare vom Januar-Volleyballmagazin und einen Schal. Natürlich sind mitgebrachte Geschenke für „ihren“ Masa Pflicht und im Gegenzug gibt’s die begehrten Fotos mit ihm zusammen. Montag geht dann der Flieger zurück nach Narita, da fällt den badischen Fans nichts mehr ein außer Bewunderung für so viel Verehrung.

Nächste Station: Yanagida Werbespot-Dreh in Frankfurt

Der Mittelpunkt des ganzen Geschehens bleibt dabei so unaufgeregt wie immer. Höflich lächelnd und sich freuend, und das ist keine Show, wenn man sieht wie aufmerksam und dankbar sich Masahiro Yanagida die häufig ähnlichen Geschichten seiner Fans anhört. Was Manohar Faupel, den Geschäftsführer der Bisons, am meisten beeindruckt: der „Hunter“ könnte schon im Auto nach Frankfurt sitzen. Denn dort hat er am Folgetag noch einen Werbespot-Dreh für Nivea /Guhl in Japan und das holländische Produktionsteam wartet geduldig, um ihn in der Nacht nach Frankfurt zu fahren.
„Es ist keine Frage für Masa, dass irgendetwas heute Abend wichtiger sein könnte als die anderen Dinge. Alles ist ihm wichtig und er macht es eins nach dem anderen in seiner besonderen Weise. Erst das Spiel, in welchem er und Iurii enorm viel geleistet haben. Dann das Interview nach dem Spiel, denn für das Match hat TBS Group Japan extra ein Team mit zwei Kameras nach Bühl geschickt. Danach kommen die Fans, für die er lächelnd und nickend zur Verfügung steht. Und schließlich fährt er nach Frankfurt, damit er morgen den ganzen Tag für die Dreharbeiten zur Verfügung hat. Er ist ein echter Profi und strahlt nicht nur auf die Mannschaft und die Stadt, sondern auch auf die Bundesliga aus.“
Apropos Bundesliga: Da die Neue Sporthalle Bühl durch das Spiel und am Sonntag drauf belegt war, wurde für die Dreharbeiten des Nivea-Werbespots kurzerhand die Fraport-Arena in Frankfurt gebucht. Also der Spieltempel, in dem die Bisons in der Vorwoche gegen die Uniteds gespielt hatten.
Von United Volleys-Geschäftsführer Henning Wegter weiß Faupel, dass die Japaner dort ganz entspannt angefragt hätten, ob man für sie störende Elemente in der Arena „wegflexen“ könne. Faupel sieht die vertane Möglichkeit, in Bühl den Werbespotdreh zu kriegen, mit Humor: „Wir hätten es sehr gerne hier in Bühl gemacht. Aber andererseits wollte ich keine Anfrage an die Stadt Bühl stellen müssen, die Halle umzubauen oder teilweise abzureißen. Daher ist das schon okay, wenn die Dreharbeiten in Frankfurt stattfinden. Natürlich sind wir gespannt auf den Werbespot, angeblich geht es um ein Haarprodukt von Nivea / Guhl.“

Bärenstark: Kruzhkov spielte mit 18 Punkten befreit auf. Zuspieler Schmidgall hatte da gut lachen. Bildrechte: Lucas Martin Photography

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