Powerplay in Bühl: Herrsching verliert 1:3

11.12.2017

Was für ein Abend: Mit einer extrem starken Leistung in den ersten beiden Durchgängen hielten die Volleyball Bisons Bühl den Ligakonkurrenten TSV Herrsching am Samstag fest im Griff. Viel Druck im Aufschlag, eine intelligente Passverteilung von GOLD MVP Mario Schmidgall und vor allem die cleveren Angriffe der Bisons zermürbten Herrschings Block und Feldabwehr und ebneten den Weg zu einem letztlich deutlichen 3:1 der Bühler Mannschaft (25:15; 25:19; 22:25; 25:15; 90min).

Knapp 900 Zuschauer sahen eine hoch emotionale Mannschaft und das waren die Bayern vom Ammersee. Emotionen sind im Sport wichtig, kein Zweifel, aber Herrsching sandte sowohl in Richtung des Schiedsgerichts als auch der Zuschauer zu deutlich und zu viel negative Emotionen aus. Auf dem falschen Fuß erwischt, wurden sie vom Tempo der Bisons förmlich überrannt und kamen kaum ins eigene Spiel. Frust führte zu entsprechend schlechter Stimmung im Team und das ließ Herrsching in leider gewohnter Manier an Schiedsrichtern und Linienrichtern aus. Dass es am Ende nur eine gelbe und zwei rote Karten waren, in der Summe noch ein sehr gutes Ergebnis für die Bayern, denn es hätten deutlich mehr sein können.
„Wir wissen, dass Herrsching sehr emotional sein kann, das ist ihre Stärke und deswegen sind wir mit entsprechend Respekt ins Spiel gegangen. Heute haben sie sich damit selbst geschadet.“ zog Headcoach Ruben Wolochin nach dem Spiel eine erste Bilanz.

Das Bisonsteam unter Headcoach Ruben Wolochin hingegen riss sein Heimpublikum förmlich mit. Von Anfang setzte das Team die Vorgaben seines argentinischen Trainers um: er wollte viel Druck im Aufschlag und intelligente Angriffe gegen den gefürchteten Herrschinger Block. Beides lieferte sein Team in sehr konsequenter Weise. Phasenweise demontierte der gefährliche Mix aus harten Services und schwer anzunehmenden Flatterbällen die Herrschinger Annahme. Dazu zog Zuspieler Mario Schmidgall alle Register und begeisterte den Bühler Hexenkessel mit seinem variantenreichen Zuspiel.

Schmidgall konnte auf sämtlichen Angriffspositionen aus dem Vollen schöpfen und die Zuschauer sahen streckenweise ein wahres Feuerwerk in den ersten beiden Durchgängen. An der ganz kurzen Lunte und immer bereit, den Ball ins gegnerische Feld zu feuern, agierten hier vor allem Masahiro Yanagida über Außen und Diagonalspieler Iurii Kruzhkov. Wie ein gemeinsamer Zwillingsmotor liefen beide auf vollen Touren und lieferten in den Statistiken extrem ähnliche Werte ab: jeweils 15 Gesamtzähler, davon 7 bzw. 6 Breakpunkte, 14 Aufschläge, 22 und 26 Angriffe, wovon jeweils 50% verwandelt wurden.
Auch Außen Corbin Balster ließ sich nicht lumpen und steuerte 11 Punkte zum Gesamtergebnis bei, seine Angriffsquote lag ebenfalls bei 50%.

Während die Bühler Angriffsreihe sich immer wieder am Herrschinger Block vorbei arbeitete, griff der heimische Block tüchtig zu: Dort wo es wichtig war, standen David Pettersson und Magloire Mayaula wie eine Mauer und blockten Herrsching das Ding auf die Füße zurück. Schmidgall fuhr ebenfalls die langen Arme aus, die seine 2,06m Körpergröße eindrucksvoll verlängerten und ebenfalls zu vereitelten Angriffen bei Herrsching führten.

Nach den Anstrengungen der ersten beiden, erfolgreichen Sätzen war verständlicherweise etwas Verschnaufen bei den Bisons angesagt. Im dritten Satz ließen es die Bisons dann lange gemütlich angehen. Mit einem 0:4 Rückstand begann das Spiel aus Bühle Sicht, Herrsching zog auf 1:6 davon und Wolochin gönnte dem bis dato blitzsauber agierenden Schmidgall eine längere Erholungspause. Oleksandr Dmytriiev übernahm die Spielführung, aber seine Kollegen fanden auch mit ihm nicht ins Spiel zurück. Bildlich gesprochen: Die Bisons irrten weitab vom bisherigen, erfolgreichen Weg auf der Wiese herum und fanden nicht zurück.

Satte 9 Punkte Vorsprung, bei 03:12 bat dann Wolochin zur Auszeit. Er wirkte keinesfalls genervt, ihm ging es einfach darum, seine Jungs wieder zurückzuführen. Der Inhalt der Auszeit schien langsam anzukommen, dann bei 06:14 schüttelten die Bisons ihre Lähmung ab und Balster setzte mit scheinbar einfachen, aber schwierig zu kontrollierenden Aufschlägen den Herrschinger Libero Tille unter Druck. Reihenweise verrutschten diesem die Bälle, Trainer Max Hauser nahm beide Auszeiten, aber Balster fütterte munter den bayrischen Annahmeriegel bis zum 11:14. Die Bisons waren zurück und endlich wurde der dritte Durchgang wieder interessanter für die Zuschauer.

Bis 18:22 aus Sicht der Heimmannschaft gab Herrsching aber weiter den Takt vor, wollte aber dann den Sack scheinbar nicht zumachen. Konsequenz: Bühl kam bis auf 22:24 nochmals ran, aber die Aufholjagd hatte zu spät begonnen, mit 22:25 ging der dritte Satz verdient an die Gäste vom Ammersee.

Eindrucksvoll aber die Rückkehr der Bisons: Bis 7:7 lagen beide Teams gleichauf, das Spiel wogte hin und her und bei Herrsching kochten wiederholt die Emotionen wegen vermeintlicher Fehlentscheidungen hoch. Bei 8:7 warfen dann die Bühler ihren Turbo an und holten in den restlichen 15 Minuten nach, was sie im vorhergehenden Satz nicht gezeigt hatten. Die Annahme um Libero Tomas Ruiz war wieder stabil, Yanagida und Balster konnten von Schmidgall bedient angreifen und Kruzhkov punktete über die Diagonale. Pettersson und Mayaula wollten in der Mitte ebenfalls den Eindruck hinterlassen, als sei zwischen Satz 2 und Satz 4 nichts passiert. Bühl übernahm die Spielkontrolle und Herrsching folgte mehr oder weniger dem vorgegebenen Tempo und Kurs bis 16:12 und weiter zum 20:14.

Danach wurde es wieder hoch emotional und ja, es waren einmal mehr Herrschinger Spieler, welche die Schuld nur beim Schiedsgericht und nicht bei sich suchten. Zuerst Mittelblocker Andre Brown, der über das ganze Spiel mehrfach den zweiten Schiedsrichter angegangen war und im vierten Satz die längst überfällige rote Karte sah. Die Bisons nahmen den Bonuspunkt für die rote Karte gerne mit (21:14). Aber es kam noch dicker für Herrsching: auch Zuspieler Michal Sládeček sah rot. Zunächst ging er wegen der Sanktion für Andre Brown in die Luft. Als er dann noch mit eindeutiger Gestik klarmachte, dass er die Schiedsrichter-Entscheidung für völlig danebenhielt, war seine Bestrafung ebenfalls nicht mehr zu verhindern, 22:14.

Bühl ließ sich von Tilles kurzem „Sitzstreik“ nicht beeinflussen: Balster platzierte seinen Aufschlag genau in die Naht zwischen Tille und seinem Mitspieler, den nachfolgenden Angriff erhechtet Libero Ruiz und Schmidgall passt zu Yanagida. Der schlägt den Block an und Balster rettet reaktionsschnell den geblockten Ball. Der Ball fliegt Richtung Gegentribüne, blitzschnell baggert Kruzhkov den Ball ganz knapp vor der Bande ins Feld zurück. Und Herrsching ist völlig unvorbereitet, als Yanagida auf die Mitte läuft und ansatzlos Tille das Ding auf der Angriffslinie auf den Fuß prügelt, 23:14. Die Mannschaftsbank von Bühl reißt es komplett von den Stühlen, die Zuschauer sind völlig aus dem Häuschen: mit Sicherheit einer der schönsten Ballwechsel des Abends!

Der nächste Bühler Aufschlag geht ins Aus, aber Herrsching bedankt sich mit einem Gegen-Geschenk und legt seinen Aufschlag wiederum ins Netz, 24:15 und Matchball für die Volleyball Bisons Bühl. Auch dieser letzte Ballwechsel ist sehenswert: Der eingewechselte Yannick Goralik bindet mit einem schwierigen Flatteraufschlag Tom Strohbach, Herrschings Angriff prallt an Mayaulas Blockhänden ab und Schmidgall nimmt den ersten Ball. Balster ist zur Stelle und baggert die blaugelbe Murmel zu Yanagida. Dieser scheint selbst etwas überrascht und schlägt den Ball in die gegnerische Feldmitte, wo er unkontrolliert an die Decke spritzt, das Spiel ist vorbei und Bühl gewinnt sein erstes Spiel der „Bayrischen Woche“ mit 3:1!

Masahiro Yanagida nach dem Spiel: „Wir haben gegen einen guten Gegner gespielt, aber wir waren deutlich überlegen und haben das Spiel kontrolliert.“ Und auch Mario Schmidgall strahlte nach dem Spiel, nicht nur wegen der verdienten Auszeichnung als bester Spieler des Abends: „Ich denke, wir haben eine gute Teamleistung gezeigt und konnten uns verdient die 3 Punkte sichern.“ Selbstkritisch schob er aber nach: „Wir haben aber besonders im dritten Satz gesehen, wie gefährlich Herrsching sein kann. So gesehen, können wir für heute zufrieden sein, müssen aber an unserer Konstanz weiter hart arbeiten.“

Headcoach Wolochin hat dem fast nichts mehr beizufügen: „Wir haben gut gespielt und Mario hat sehr gut gearbeitet. Dass sich die Jungs im dritten Satz eine lange Auszeit genommen haben, daran müssen wir sicherlich arbeiten und lernen, früher zurückkommen. Aber ich bin stolz und sehr zufrieden, die Mannschaft hat auf einem sehr hohen Niveau gespielt und verdient gewonnen." Und schloss mit Hinblick auf kommenden Mittwoch mit  einem Weckruf: "Jetzt heißt es, sich auf das kommende Pokalspiel zu konzentrieren. Natürlich wollen wir auch hier unser Bestes geben und vor einer vollen Halle die Überraschung perfekt machen. Aber wir wären sehr überrascht, wenn Herrsching nach diesem Abend nicht kontern würde.“

Konsequente Taktik und tolle Mannschaftsleistung: Mario Schmidgall dirigiert die Bisons zum Sieg Bildrechte: Lucas Martin Photography

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