Positive Tendenzen: Bisons treten selbstbewusst in Verdun auf

19.09.2017

Drei Tage, zwei Spiele und ein Besuch der Gedenkstätte von Douaumont. Das könnte die Kurzfassung eines vollgepackten Wochenendes mit vielen positiven Eindrücken sein. Am Freitagmittag starteten die Bisons nach Verdun zum Auftakt ihrer letzten Vorbereitungsphase. In guten drei Wochen sind insgesamt 10 Spiele zu absolvieren und seit 4 Jahren beginnen die Bühler ihre intensiven Reisephasen immer mit dem Trip nach Verdun.

Das Comité Meuse de Volley Ball lädt seit 2014 jeweils zwei französische und deutsche Erstligisten in die symbolträchtige französische Stadt ein. Neben sportlichen Aspekten engagieren sich die Organisatoren Cédric Morél und Vincent Scherrer damit auch für die Völkerverständigung und das Erinnern an die Schlacht von 1916. Bühl konnte in diesem Jahr die Trophäe als einziger Club entgegennehmen, der an allen vier Veranstaltungen seit Auflage des Turniers teilgenommen hat.

Auf französischer Seite gaben sich Cambrai (Pro B) und Chaumont als letztjähriger Meister in der französischen Topliga Pro A die Ehre. Düren als gern gesehener Gast der letzten drei Jahre sagte seine Teilnahme im Sommer ab, daher freute sich Henning Wegter, Geschäftsführer der United Volleys Rhein-Main, den Platz einnehmen zu können. Entsprechend freundschaftlich fiel das erste Zusammentreffen der beiden deutschen Erstligisten im Hotel aus, danach gingen beide Teams getrennte Wege und nutzten den ersten Abend für ihre Trainingseinheiten.

Am Samstagmorgen besuchten Frankfurter und Bühler gemeinsam die Schlachtfelder von Verdun und dort das Beinhaus von Douaumont. Die 1931 errichtete nationale Gedenkstätte birgt die Gebeine von 130.000 französischen und deutschen Soldaten. Die bedrückende Atmosphäre der Anlage und der Film über die Schlacht von 1916 standen in einem extremen Gegensatz zum sonnigen und warmen Herbstmorgen vor den Türen der Grabstätte. Entsprechend still und nachdenklich zeigten sich beide Teams, „erschütternd“ und „bewegend“ waren die Worte für das kaum fassbare Grauen, welches vor 100 Jahren junge Männer im gleichen Alter wie die meisten der Spieler erlebt hatten und spürbar eindrücklich vor Augen geführt wurde.

Samstag 16.09., 16:00 Uhr Cambrai - Bühl 2:3 (25:21/19:25/25:19/21:25/13:15) Am Nachmittag wurden die Spiele mit der Begegnung Cambrai-Bühl eröffnet. Cambrai aus der Pro B spielte mit einem routinierten Team stark auf und setzte Bühl durch seine Services und in der Mitte von Anfang unter Druck. Nach dem ersten Satzdrittel fanden die Bisons ihre Sicherheit wieder. Dies reichte aber nicht mehr für den ersten Satz, den die Franzosen mit 25:21 für sich entschieden. Spürbar aggressiver und mit mehr Sicherheit startete Bühl in den zweiten Satz und konnte diesen mit 25:19 gewinnen.
Auch wenn die Absprache auf dem Feld noch nicht perfekt war, die Bisons ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und konnten sich in den beiden folgenden Durchgängen stabilisieren (3.Satz 25:19 Cambrai; 4.Satz 25:21 Bühl). Im Tiebreak gefielen vor allem der hohe und erfolgreiche Doppelblock der Zwetschgenstädter und die nun besser funktionierende Zusammenarbeit von Zuspiel und Außenposition. Nach gut zwei Stunden konnte sich Bühl mit einem knappen 15:13 für die konsequente Steigerung gegen den französischen Routinier belohnen.

Samstag 16.09., 20:00 Uhr Chaumont- Frankfurt 1:3 (25:19/23:25/17:25/18:25) Im vermeintlichen Spitzenspiel Chaumont-Frankfurt verschliefen die United Volleys den Spielbeginn und kassierten eine 19:25 Niederlage gegen den letztjährigen französischen Meister. Dann kamen die Frankfurter hellwach ins Spiel zurück und es entwickelte sich ein heißes Duell im zweiten Satz. Gegen Ende des Satzes hatte Frankfurt die Franzosen geknackt und ging mit 25:23 vom Feld. Symptomatisch dann Satz drei und vier: die United Volleys brachten immer wieder und mit ungeheurer Wucht ihre Angriffe durch. Chaumont wirkte stellenweise „demontiert“ und Cheftrainer Silvano Brandi entsprechend genervt ob der zu 17 und 18 verlorenen Sätze und des 3:1 Ergebnisses für das Frankfurter Team.
Auch der Sonntag startete mit einem Programmpunkt im Zeichen der Völkerverständigung. Noch vor 09:00 Uhr standen die deutschen Teams und die französischen Organisatoren vor dem Rathaus. Da ging dann aber erst gar nichts, buchstäblich hatten die Honoratioren der Stadt Verdun den Empfang verschlafen. Spontan sprang daher ein Comité-Mitglied ein und übernahm den Part des Bürgermeisters.

Sonntag 17.09., 11:00 Uhr Cambrai - Frankfurt 1:3 (22:25/29:27/26:28/20:25) Im ersten Sonntagsspiel Cambrai-Frankfurt konnte sich Cambrai anfangs noch gut gegen Frankfurt behaupten. Auch wenn der erste Satz mit 22:25 von Cambrai verloren wurde, mit einem 29:27 stellte man nach einer knappen Stunde den Satzausgleich her. Cheftrainer Warm ließ neben United-Routiniers auch seine jungen Spieler auflaufen, und diese erkämpften ein hauchdünnes 28:26 im dritten Durchgang. Im vierten Satz fand Frankfurt die Routine und Sicherheit wieder und gewann sein zweites Spiel mit einem ungefährdeten 20:25.

Sonntag 17.09., 15:30 Uhr Chaumont - Bühl 3:2 (25:19/29:31/25:23/25:27/15:12) Wer im letzten Spiel Chaumont-Bühl und in Satz eins der Meinung war, dass Chaumont die Bisons mit einem 3:0 überrennen würde, fand bis zur ersten (8:4) und zweiten technischen Auszeit (14:6) genügend Argumente. Gegen die sprunggewaltigen Aufschläge und harten Angriffe über die Position vier wirkte Bühl zunächst völlig überrascht und fand vor allem in der Annahme keinen festen Stand. Aber hier zeigte sich wie am Vortag, dass Volleyball vor allem eine Sache der Geduld ist, und Headcoach Wolochin ließ seiner jungen Truppe die Zeit und auch die Möglichkeit, sich ins Spiel hineinzufinden. Zwar konnte der Satz nicht mehr gedreht werden, aber mit einem besseren Verhältnis von 11:13 Punkten in der zweiten Satzhälfte brachten die Bisons noch ein respektables Ergebnis von 25:19 auf die Waage.

Bühl hatte nun seine Sicherheit gefunden und konnte im Aufschlag und verstärkt im Block punkten. Obwohl Chaumont mit einem internationalen Top-Aufgebot um Zuspieler Gonzalez keineswegs den Druck verringerte, die Bisons hatten ihren Spaß und entsprechend erfolgreich agierten sie. Chaumont konnte sich nicht absetzen und mit 8:8 ging es in die erste lange Auszeit. Danach erkämpfte sich Chaumont mit einer Aufschlagserie einen Vorsprung (13:9) und konnte diesen bis zum 18:15 halten. Bühl zog jetzt das Tempo an und verkürzte auf 20:19, was Chaumonts Trainer Brandi zu seiner zweiten Auszeit zwang. Es half nichts, denn die Bisons holten sich mit 22:22 den Ausgleich und machten das Satzende zu einem wahrhaften Knaller für die Zuschauer. Nach zwei abgewehrten Satzbällen stand es auf einmal 26:25 für die Badener, die den Ball aber nicht verwandeln konnten. Ständig wechselten die Matchbälle auf beiden Seiten, die Annahme und Abwehr von Bühl wackelte kaum und vor allem im Service wurde Chaumont mächtig unter Druck gesetzt. Bei 30:29 für Bühl war es dann endlich soweit: die Bisons verwandelten den Satzball und holten sich mit 31:29 den zweiten Durchgang.

Beide Teams lieferten sich bis zum 8:8 ein Kopf-an-Kopf-Rennen im dritten Satz. Erst bei 11:8 hatte sich Chaumont die bessere Ausgangslage für den restlichen Satz erarbeitet. Diesen Vorsprung rettete das Team von Brandi dann in die Endphase: Bühl kam bis 20:18 noch knapp ran, schaffte aber den notwendigen Break nicht. Chaumont baute sogar auf 24:20 aus, Bühl wehrte die ersten drei Matchbälle ab und verkürzte so noch auf 24:23. Am Ende hatten die Franzosen aber die besseren Nerven und bei 25:23 und 2:1 nach Sätzen wurden die Seiten getauscht.

Set n°4 wirkte zu Beginn wie ein replay des vorgehenden Schlagabtausches. Wieder blieben die Teams bis 9:7 auf Augenhöhe, dann war Chaumont mit 12:8 auf einmal klar vorne und war bis 22:18 nicht in den Griff zu bekommen. Dennoch ließen sich die Bisons nicht abhängen und stemmten sich erfolgreich gegen die drohende Matchniederlage. Punkt für Punkt kämpfte sich das Team von Wolochin an die Franzosen wieder heran und ein krachender Einerblock von Bühl zwang Brandi bei 22:21 in seine erste Auszeit in diesem Satz. Die Auszeit half Chaumont nicht: bei 23:23 war das Spiel wieder komplett offen und Bühl zeigte, dass Bisons auch zubeißen können. Zwar wehrte sich der Gegner erfolgreich gegen drei Satzbälle, aber den vierten verwandelte Bühl zum 27:25 für sich und zwang damit Chaumont in den Tiebreak.

Sehr aggressiv kam Chaumont ins Spiel zurück; Mit einem 4:1 versuchte das Team unter Beweis zu stellen, wer mit dem größeren Budget und vor allem mit internationalen Stars angetreten war. Bis zum Seitenwechsel bei 8:4 wirkte Bühl eingeschüchtert und kämpfte vor allem mit den harten Services, die wiederholt von der Annahme in die Zuschauer flogen bzw. krachend im Feld einschlugen. Dann erholten sich die Zwetschgenstädter und legten ihre Schockstarre ab: 9:6, 10:7, 10:8, 10:9 und schließlich 10:10. Spürbar brannte die Luft, Bühl wollte die Sensation und Chaumont begann zu wackeln. Bis zum Stand von 12:11 für Chaumont war die kleine, aber mögliche Chance für die Bisons greifbar, dann aber setzte sich die internationale Erfahrung auf der anderen Seite des Netzes gegen die junge Bühler Truppe durch. Auch die Auszeit von Ruben Wolochin bei 13:11 für Chaumont konnte es nicht mehr aufhalten: Chaumont ließ sich nicht mehr das Heft aus der Hand nehmen und verwandelte nach 2:18h den ersten Matchball zum 15:12 und zum 3:2 Sieg.

Einen Grund, die Köpfe hängen zu lassen, sah indessen keiner aus dem Bühler Team: In einem ersten, wirklichen Härtetest hatten sich die Bisons immer wieder aus schwierigen Punktesituationen zurückgearbeitet und waren selber in die Offensive gegangen. Selbst in knappen Situationen hatte Bühl dem Topteam Chaumont die Stirn geboten bzw. in zwei Sätzen die Nerven behalten und diese für sich entscheiden können.
Trainer Ruben Wolochin zeigte sich entsprechend zufrieden: „Gegen ein Aufgebot wie Gonzalez. Lima, Rodriguez und Saeta sowie weitere Topspieler haben wir heute gut gearbeitet. Wir müssen im Zuspiel und im Block noch besser arbeiten, aber ich denke, gegen Chaumont im fünften Satz mit 15:12 zu verlieren, ist okay. Das Team hat eine sehr gute Moral bewiesen und sich nie aufgegeben. Das ist eine gute Basis für die Spiele nächstes Wochenende in Italien und dann in 14 Tagen wieder gegen Chaumont. Ab Mittwoch haben wir auch Masahiro Yanagida an Bord und können mit dem kompletten Team noch aggressiver auftreten.“

Zurück zur Übersicht