Dritter Sieg der Bisons gegen die Kängurus

28.01.2018

Der erste Satz: eine nervenaufreibende Schlussphase und unnötig, da die Bisons gut starteten. Dann verloren sie den Faden und mussten sich zurück kämpfen. Spektakulär dann das 30:32 für die Gäste aus Bühl.

In den folgenden Sätzen in Königs-Wusterhausen waren die Bisons dann voll konzentriert. Bis zur Satzmitte konnte die Netzhoppers mithalten, schließlich setzten sich die Badener aber beides Mal durch. Das hohe Aufschlagrisiko der Kängurus mit entsprechend vielen Aufschlagfehlern tat sein Übriges und mit jeweils 19:25 gingen auch diese Runden an die Bisons (30:32, 19:25, 19:25, 87 Minuten).

Pettersson fällt von Anfang aus - Goralik spielt durch und überzeugt

Die Bisons starteten mit Yannick Goralik auf der Mitte. Der 20jährige Berliner sprang für seinen Kollegen David Pettersson ein, der gesundheitlich aus dem Rennen war. „Zum Glück keine Magen-Darm-Geschichte, scheinbar hat er am Freitag etwas gegessen, was ihm nicht bekommen ist.“ zeigte sich Manohar Faupel erleichtert, der mit der Mannschaft in den Osten gereist war. Dennoch sei es morgens klar gewesen, dass Pettersson zu geschwächt für den Auftritt in der Landkost-Arena war. Goralik kam, sah (seine Chance) und siegte mit den Bisons. Er holte sich dafür ein Sonderlob von Headcoach Ruben Wolochin ab: „Yannicks Spiel hat mir heute gefallen. Er musste in der Mitte mit Maya die Verantwortung tragen, das hat er gut gelöst und vor allem wenig Fehler gemacht. In Satz drei hat er dann den platzierten Punkt gemacht, direkt danach mit vier Aufschlägen die Vorlage für unseren Ausgleich geschaffen und noch ein Ass produziert.“

Auch Diagonalspieler Iurii Kruzhkov wurde ausgezeichnet. Für ihn gab es die GOLD MVP-Medaille: mit 19 Punkten war er der Top-Scorer in der Halle und lieferte zwei Aufschlagasse ab. Für Wolochin ein wichtiger Hinweis, dass er nun mit Qafarena und Kruzhkov auf zwei sehr unterschiedliche, aber effiziente Lieferanten zurückgreifen kann.
Außenangreifer Masahiro Yanagida verbuchte 13 Zähler auf seinem Konto. Viel wichtiger war der Japaner aber an diesem Abend als Wirbelsäule des Teams. Er war in der Annahme gefordert und machte die big points in den wichtigsten Phasen des Matchs.

Früher Zuspielerwechsel: Dmytriiev bringt seine Erfahrung und Gewitztheit ein

Mit einem Ableger startete Yanagida das Spiel, dann legte Magloire Mayaula zum 1:4 nach. Kruzhkov machte dann seinen ersten Punkt bei 4:5, doch ab da hatten die Netzhoppers ins Spiel gefunden und agierten mit ihren Gästen auf Augenhöhe. Die Bisons hüpften knapp vor den Kängurus in die technische Auszeit (07:08), fehlender Aufschlagdruck und ein weiterer, knapp vor die Grundlinie platzierter, Flatteraufschlag brachten anschließend KW in Führung. Wolochin nahm eine Auszeit und brachte in der Folge Sasha Dmytriiev für Mario Schmidgall im Zuspiel. Der Ukrainer wusste mit Erfahrung und Auge zu gefallen und brachte selber vier Attacken erfolgreich in der gegnerischen Feldhälfte unter.

Gerade im ersten Satz war wie befürchtet Björn Andrae das tragende Element der Netzhoppers. Er spielte an diesem Spieltag für den verletzten Philipp Gavenda auf der Diagonalposition, brachte seine ganze Erfahrung ein und damit die Bisons immer wieder mächtig unter Druck. Auf der Bisonsseite hielten Kruzhkov und Mayaula im Angriff und im Block dagegen. Der Kongolese machte acht Punkte im Spiel und entschärfte in den kritischen Momenten mit seinen Blocks die Angriffswucht der Kängurus.

Bei 16:14 gingen die Bisons aus der Defensive in den Angriff über und ab 19:19 wurde das Spiel so richtig heiß. Wolochin musste bei 21:19 für die Gastgeber die zweite Auszeit nehmen und Yanagida holt sein Team mit einer Bombe zum 21:20 zurück. Ein gutes Auge beweist dann Balster beim Aufschlag der Kängurus: er duckt sich noch rechtzeitig weg und der Ball geht knapp ins Aus (22:21).
Wolochin bringt Chris Zuidberg für Goralik und Felix Orthmann für Yanagida, doch Zuidbergs Aufschlag fliegt ebenfalls zu weit, Rückwechsel: der Kapitän der Bisons kommt wieder aus Feld.
Dmytriiev legt mit links zum 23:22 ab, Auszeit von Mirko Culic, dem Trainer der Netzhoppers.

Crunchtime: Bisons bleiben dank knapper Entscheidung im Spiel

Nach der Spielunterbrechung macht Yanagida einen Hammer-Aufschlag und die Netzhoppers bleiben beim Gegenangriff im Bühler Dreierblock hängen, 23:23. Mayaula macht das 24:24, Kruzhkov das 25:25. Andrae legt mit 27:26 zum Matchball der Netzhoppers vor, der Gegenangriff von Yanagida fliegt ins Aus, der Linienrichter zeigt „Aus“. Doch die heimischen Fans in der Landkost-Arena jubelten zu früh: der zweite Schiedsrichter zeigt die Blockberührung der Netzhoppers an und der Ball wird den Bühlern zugesprochen, Ausgleich zum 27:27. Die folgenden Pfeifkonzerte der Netzhoppers lassen Goralik im Aufschlag kalt: er schiebt die Netzhoppers-Annahme weit nach hinten, der Angriff könnte von den Bisons abgewehrt werden, aber: Mayaula bleibt im Block am Netz hängen, wieder Matchball für die Netzhoppers (28:27).

Diese nehmen sich ihre Chance selbst, der Aufschlag segelt ins Aus und dann macht Masa den wichtigen Break zum 28:29 für die Bisons. Doch jetzt ist es Kruzhkov, der den Service hinter die Grundlinie setzt. Was für ein Krimi bereits im ersten Satz, 29:29.
Die Netzhoppers nutzen das Momentum und machen ein Aufschlagass, wieder Matchball KW. Doch der zweite Versuch, den Ball nah an die Linie zu legen, geht knapp daneben, es steht 30:30. Der Fanblock der Bisons legt akustisch noch eine Scheibe drauf: 450 Netzhoppers-Fans gegen 25 BadenRocket-Fans und Eltern und Freunde von Corbin Balster und Yannick Goralik, die Trommeln beider Lager wummern durch die Halle, Spannung und Emotionen pur.

Dann legt „Hunter Masa“ vor, sein wuchtiger Aufschlag fliegt Richtung Pfosten und wird knapp gerettet, der Hechtball von KWs Libero kommt sauber rüber und fliegt zur Bühler Grundlinie hinüber. Der „Hunter“ überlegt noch, ob er den Ball nehmen soll, lässt aber gut erkannt die Murmel einen halben Meter ins Aus plumpsen, 30:31, Satzball Bühl! Und endlich, den Punkt und den Satz holen sich die Bisons: Masa schickt die zweite Aufschlagbombe übers Netz und der Angriff der Netzhoppers wird einmal mehr vom Bisons-Dreierblock abgefangen.
Der Stein, welcher den Bühler Fans in diesem Moment vom Herzen gefallen sein musste, er war schon gewaltig. Dieter Habich, Fanclub-Vorsitzender und nach 9h Anreise am Spieltag sowie dem ersten Satz schon fix und fertig, er war hochrot im Gesicht, aber strahlte vor Freude. „Das war ein wichtiger Moment, verlieren wir den Satz, dann wirkt sich das ganz klar auf die Psyche unserer Mannschaft aus. Sie haben toll dagegengehalten.“

Klare Verhältnisse im zweiten Satz

Im Durchgang zwei zeigten die Bisons, dass sich der Satzgewinn in der Tat ausgewirkt hatte: sie waren von Anfang an konzentriert und gingen deutlich in Führung. Sie hatten ihren Rhythmus gefunden, blieben geduldig und wach. Bestes Beispiel der Ballwechsel zum 3:8: drei Angriffe wehrte der Bühler Block ab, dann machte Zuspieler Dmytriiev den Sack zu, denn sein überraschender Ableger nach der langen Rallye kam völlig unterwartet und landete inmitten der überraschten Feldabwehr.

Nächste Station 8:14: Balster setzt sein Aufschlag-Ass in der maximalen Diagonale genau ins Eck des Gegners. Kruzhkov zieht im Anschluss schön die Linie runter, 9:15.
Bei 14:17 nutzte der Bühler Coach die Gelegenheit, um in der Auszeit sein Team vor den letzten Satzteil einzustimmen. Mit Erfolg, denn Culic musste bei 14:19 das Spiel unterbrechen, Auszeit KW. Kruzhkov antwortet mit einem schönen Ableger und macht den 20.Zähler für Bühl.
Libero Tomas Ruiz bereitet mit einem 1a-Zuspiel den 23.Punkt vor: der harte Angriff wird von Tim Stöhr abgewehrt und Ruiz spielt an der Seitenbande den Ball im Rückwärts-Bagger perfekt zu Kruzhkov, der den Angriff gnadenlos verpunktet.
Felix Orthmann macht den letzten erfolgreichen Angriff im zweiten Abschnitt: er trifft den Abwehrspieler auf der Linie genau am Außenfuß, 18:24.
Der letzte schöne und lange Ballwechsel war zwar ein Punkt für die Netzhoppers, aber im Ergebnis eher nur Balsam für die enttäuschten Känguru-Anhänger. Symptomatisch der Satzpunkt für die Bisons durch den folgenden Aufschlagfehler der Gastgeber. 19:25 und 0:2 nach Sätzen.

Netzhoppers starten mit Vorsprung - Schmidgall zurück im Spiel

Im dritten Satz gingen die Netzhoppers wiederum schnell in Führung. Mal ein geblockter Bison-Angriff, dann ein Ass der Netzhoppers und ein abgepfiffener Übergriff von Dmytriiev, es stand 5:2 und Wolochin brauchte eine Pause für seine Jungs.
Doch nach der Auszeit keine Veränderung und bei 9:5 kam Schmidgall für Dmytriiev zurück aufs Feld.
Es dauerte noch zwei Ballwechsel, dann wurde die Wende durch den Doppelblock von Kruzhkov und Goralik eingeläutet.  Bei 10:7 nahm Netzhoppers Culic seine erste Auszeit, danach kam die zu Beginn erwähnte Phase, für die Goralik unter anderem sein Sonderlob von Wolochin einheimste.

Goralik platziert seinen Angriff zum 11:9 in die rechte Ecke des gegnerischen Feldes. Dann ein kurzer Aufschlag von ihm, die Annahme baggert den Ball zu weit ans Netz und Mayaula presst die Kugel eiskalt nach dem Prinzip „Volley-Dunking“ runter. Nächster Aufschlag Goralik: lang nach hinten, der Angriff ist mehr ein Dankeball, den Goralik selber annimmt, Kruzhkov drückt den Ball sauber gegen den Block und von dort geht er ins Aus. Zum Abschluss zaubert der 20jährige Berliner noch ein Ass aus dem Ärmel, es stand 11:12 und die Partie war wieder offen.
Ein enorm hoch stehender Mayaula macht die Kampfansage zum 12:13, KW schenkt im Aufschlag einen weiteren Punkt her, der „Hunter“ packt seine Aufschlagskeule aus und lässt Kruzhkov den Ball dann runterprügeln. Yanagida versüßt den Bisons die technische Auszeit mit einem Ass zum 13:16 und reißt damit die Kängurus-Moral vollkommen ein.
14:17, 15:19, 16:22, 17:23, wiederholt der Bühler Block, Balsters erfolgreicher Pipe: Die Bisons waren hochkonzentriert, sie schalteten und walteten fast nach Belieben und auch die Auszeit von Mirko Culic konnte das Ende des Spiels nur verzögern.
Anton Qafarena kam für Goralik im Aufschlag und Dmytriiev für Schmidgall. Kruzhkov machte das 19:24 mit einem Blockout und verwandelte selbst den Matchball mit einem bärenstarken Aufschlag-Ass, das in die Decke der Landkost-Arena gebaggert wurde. 82 Punkte in 87 Minuten brauchten die Bisons, um ihren glatten 3:0-Sieg unter Dach und Fach zu bringen.

Headcoach Wolochin war zufrieden und sah den Erfolg auf vielen Schultern verteilt: „Ich bin glücklich. Wir haben im ersten Satz für unsere Verhältnisse viele Fehler in der Satzmitte gemacht, sind aber wieder ins Spiel gekommen und haben dann die Nerven behalten. Iurii wurde verdient Gold MVP, er hat bereits gegen Haching sehr stark gespielt. Und Sasha ist wieder zurück: er hat das Spiel variabel aufgezogen und Mario gut ersetzt. Maya war sehr wach heute, er hat vor allem im Block Verantwortung übernommen.“

Gute Laune auch bei Jannis Oser: Der Bühler Scout reiste mit dem Fanclub am Samstag nach Königs-Wusterhausen. Auch er leistete einen wertvollen Beitrag zum Erfolg, vor allem deswegen, da die beiden Cotrainer Leo Castellaneta und Lluis Molada mit ihren Mannschaften Herren II und III selber unterwegs waren und daher nicht zum Bundesligaspiel mitreisten.
Für Herren II hatte sich diese Entscheidung voll ausgezahlt: Die Oberliga-Mannschaft war in Kleinsteinbach erfolgreich. In einem wahren Fünfsatz-Krimi besiegte das Bühler Jugendteam den stärksten Ligagegner nach einem dramatischen Tiebreak in Überlänge (23:25, 25:21, 25:22, 15:25, 18:20). Pascal Bäuerle, der sich beim Bundesliga-Heimspiel in der vorhergehenden Woche einen Nasenbruch zugezogen hatte, durfte als "Der Mann mit der silbernen Maske" spielen und unterstützte sein Team nach Kräften.

Und noch einer war zufrieden: Pettersson war den ganzen Tag und auch am Abend im Hotel und Bett geblieben. Als er nach dem Spiel für die lange Heimfahrt abgeholt wurde, war er glücklich über die Leistung seiner Teamkollegen und hatte auch wieder Hunger.

3:0 Sieg der Bisons dank toller Fans aus Bühl, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und auch aus Japan Bildrechte: Volleyball Bisons Bühl

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