Bühler Zwetschge beißt Häfler Apfel

15.01.2017

Der Flyer in der Bühler Großsporthalle war mit einem Zwinkern, aber sehr wohl kämpferisch formuliert. Für den großen Coup reichte es dann doch nicht. Aber beim 1:3 (15:25, 21:15, 16:25, 18:25) gegen den Tabellenführer VfB Friedrichshafen zeigten die Bisons deutliche Moral und teilweise sensationellen Volleyball. Dafür gab es dann standing ovations von über 1.200 begeisterten Zuschauern.

Die Vorzeichen für das Spiel waren kaum dafür geeignet, dass die 1.200 Bühler Fans mit mehr als nur einem "anständigen" 0:3 ihrer Bisons rechnen durften. Der auf 11 Spieler geschrumpfte Kader wurde durch Hallensprecher Oliver Stolle schon vor dem Spiel um zwei weitere Spieler "gestrichen": seine Information, dass Ilya Zhilin verletzungsbedingt und Tim Stöhr mit einer heftigen Grippe nicht auflaufen würden, war ein heftiger Schock für die Fans.

Entsprechend verhalten begann der erste Satz: Publikum und Mannschaft brauchten unter diesen erschwerten Umständen ihre Zeit, sich auf die Situation einzustellen. Zu Beginn tasteten sich Häfler und Bühler noch eher vorsichtig ab, dann legte Friedrichshafen los und erarbeitete sich in der zweiten Hälfte des Satzes die Führung: 11:16 zweite technische Auszeit. Noch einmal kurz konnte das aufgewärmte Publikum hoffen, denn die Bisons verkürzten auf 13:16. Mit dem nächsten Aufschlagwechsel und einer Serie von 5 weiteren Punkten machten die Gelb-Blauen vom Bodensee aber dann den Sack zu. Bühl holte noch 2 Punkte, Friedrichshafen beendete den Satz mit 15:25.

Eine völlig andere Mannschaft sahen die Bühler Fans im zweiten Satz. Von Anfang an spielte Wolochins Herde konsequent, setzten die überraschten Häfler deutlich unter Druck und brachte die bisher gute Laune von Trainer Vital Heynen zum Kippen. Beide Mannschaften blieben auf Augenhöhe, Felix Orthmann setzte dann das erste Ausrufezeichen mit einem erfolgreichen Angriff aus dem Hinterfeld, gleich gefolgt von einem As des aufschlagenden Jens Sandmeier. 8:6 für die Badener es ging kurz zum Erholen und zur taktischen Absprache in die Auszeit. Zurück von der Bank schalteten die Bisons in den Angriffsmodus: von den nun hellauf wachen und begeisterten Fans angefeuert, spielte Zuspieler Juan Finoli immer wieder die Häfler Abwehr aus und seine Pässe wurden von Diagonalspieler Slawomir Jungiewicz und dem späteren MVP Felix Orthmann dankbar verwertet.

Vor allem Orthmann stellte an diesem Abend selbstbewusst unter Beweis, dass er nicht nur ein sehr guter Diagonalangreifer ist,. Nach dem Ausfall von Magloire Mayaula vor Weihnachten half er erfolgreich in der Mitte aus. Bei seinen Angriffen nun auf Außen gerieten die Bühler Zuschauer wieder und wieder in Extase. Auch in der Abwehr wusste er zu überzeugen: Erst seine spektakuläre Einarm-Rettungsaktion an der Seitenbande, Libero Bartosz Kaczmarek denkt mit und erläuft den Ball in der langen Aufschlagzone, Finoli spielt den Ball kurz vor die Füße des gegnerischen Zuspielers und nach einem wuchtigen Doppelblock von Sandmeier und Mayaula landet der Schnellangriff aus der Mitte diesmal auf Häfler Boden. Die Halle steht Kopf und selbst Trainer Ruben Wolochin hebt es fast von seinen Füßen, Party-Zeit im Volleydome Bühl!

Hingegen reagierte Gästetrainer Vital Heynen immer ungehaltener auf die Abwehrlücken seiner Mannschaft, seine erste Auszeit bei 10:13 ließ verbal und gestisch keine Fragen mehr offen. Trotzdem: die Standpauke konnte den weiteren Ausbau der Führung nicht verhindern. Vor allem die wiederkehrenden, diagonalen Angriffspunkte von Slawomir Jungiewicz auf die gegnerische "Eins" brachten den sonst ruhigen Belgier Heynen schier zur Weißglut. Als die Bisons mit 16:12 in die zweite technische Auszeit gingen, kochte die Halle, hitzig war wieder die Ansage auf der Häfler Bank. Hatte in der Großsporthalle jetzt noch jemand Zweifel, ob der TV Ingersoll Bühl das Tempo ohne Wechseloptionen auf Außen und Diagonal halten könnte: die Bisons kamen angriffslustig und mit den Hörnern voraus aus der Auszeit zurück. Friedrichshafen wackelte und Heynen nutzte seine zweite Auszeit bei 16:21 aus Sicht der Häfler, um nochmals seine Jungs aufzuwecken. Seine Worte fielen nur kurzzeitig auf fruchtbaren Boden: 22:17, 23:19, 24:21, unbeirrt lief die Pass- und Angriffsmaschine des TV Ingersoll Bühl und die Bisons ließen sich vom gegenseitigen Schlagabtausch nicht mehr beirren. Die letzte Auszeit von Ruben Wolochin bei 24:21 war nur noch zur kurzzeitigen Regeneration: diesem Satz hatten unverkennbar die Bisons ihren Stempel aufgedrückt! Konsequent dann der letzte Ball: Jungiewicz schlägt bei seinem zweiten Versuch auf Außen den Block oben an, der Ball geht unholbar weit in die VfB-Aufschlagzone. 25:21, eine Top-Leistung des TV Ingersoll Bühl und ein Lehrstück toller Moral!

Friedrichshafen ging wieder mit freiem Kopf in den dritten Satz. Hingegen machte sich die kräftezehrende Leistung des vorhergehenden Satzes bei den Bisons bemerkbar und kleinere Fehler schlichen sich ein. Wolochin musste daher zusehen, wie seine Jungs die Häfler auf 8:4 davonziehen ließen. Seine Auszeit bei 4:9 konnte aber den Abstand nicht reduzieren. Trotz eines unglaublichen Hechtbaggers von Mayaula und des anschließenden, mit sehr viel Gefühl in die Mitte der VfB-Hälfte gespielten Punkts von Jungiewicz vergrößerte Friedrichshafen den Abstand auf 16:9. Erwähnenswert immer wieder in diesem Satz Jungiewicz. Entgegen der sonst gewohnten, wuchtigen Angriffe bewies er ein sehr bewegliches Händchen und narrte die gegnerische Abwehr immer wieder mit kurzen Druckbällen durch den Block oder dem gefühlvollen, kurzen Ball in die leere Feldmitte. Auch der "Lob" von Mittelblocker Akhrorjon Sobirov bei 9:16 war zwar sehenswert, wurde aber vom Unparteiischen zu Recht als spektakulär, aber eher für die aktuelle Handball-WM geeignet gewertet. Gegen Ende des Satzes drehte der VfB dann richtig auf und ging uneinholbar bis 20:9 nach vorne. Die Bisons kämpften sich noch auf 16:24 ran, diesen letzten Punkt setzte hoch in Luft Mittelblocker Mayaula. Dann ab ging der Satz mit 25:16 an die Häfler.

Der vierte Durchgang startete mit guten und rasanten Ballwechseln beider Mannschaften. Mayaula im Schnellangriff, Orthmann immer wieder von außen und jetzt auch Sobirov mit seinen langen Blockarmen ließen Friedrichshafen nicht wegziehen. Finolis Ableger zum 4:4 war dann die erste Zäsur: nur noch ein Punkt gelang den Bisons, Auszeit bei 8:5 für den VfB. Dann 11:6 für die Gelb-Blauen, Wolochin nahm seine erste Auszeit. Bei 13:7 die zweite Auszeit: Mal aggressiv, mal beruhigend, der Coach motivierte unermüdlich seine Jungs, nochmals Kräfte freizusetzen. Aber Wolochin war klar, dass außer Finoli alle anderen durchspielen mussten und dies nun seinen Tribut forderte.

Dennoch, die Bisons kamen einmal Mehr zurück: Sandmeier setzte mit einem erfolgreichen Hinterfeldangriff das Startzeichen. Dann blockte Sobirov, Finoli den Folgeball auf Orthmann, dem Sobirov in diesem Moment fast in den Weg sprang. Orthmann blieb hin dessen cool, schlug den Häfler Block an und der Ball ging knapp auf Bühler Seite ins Aus. Neben seinen exzellenten Zuspielerfähigkeiten zeigte Finoli da wieder seine unglaubliche Abwehrstärke: als der Ball runterkommt, liegt er schon wieder am der Seitenlinie, um ihn zu retten und zieht dann mit Adlerblick noch rechtzeitig seine Arme zurück. Den Schulterklopfer vom Trainer holte er sich dann direkt beim Aufstehen ab. Mit einem langen Abwehrmatch beider Seiten und wieder schönen Rettungsaktionen von Kaczmarek und Finoli konnten sich die Bisons anschließend leider nicht belohnen. Aber dann punktete Sobirov über die Mitte und Orthmann legte mit einem Aufschlags-As nach: 11:14. Auch der zwölfte Punkt für die Bisons zeigte wieder einmal die immer wiederkehrende Moral dieser Mannschaft: Sandmeier nimmt an, bekommt den Ball auf die Angriffslinie, der Blockabpraller wird von Sobirov gerettet und fliegt zu Finoli. Finoli macht sich daher selbst zum Angreifer und hämmert das Ding dem Abwehrspieler unholbar auf die Hände, Touch, Aus und Punkt Bühl: 12:15! Mit 16:12 gehen die Mannschaften in die letzte technische Auszeit des Abends. Das Publikum feiert dabei weiter sich selbst und die Mannschaft, die Erwartungen wurden schon weit übertroffen. Auch in der Folge zeigten die Bisons noch einiges aus der Zauberkiste: Mayaula macht das 14:18 mit einem donnergewaltigen Schnellangriff auf 2m hinter die Mittellinie. Der Ball hebt anschließend wie eine Rakete vom Boden ab und fliegt bis in die oberen Zuschauerränge, die Halle tobt! Dennoch zogen die Häfler davon, alles konnte nicht das 21:15 verhindern. Und wieder, immer wieder kratzten die Bisons das letzte bisschen Power aus sich raus und gaben sich nicht auf. 16:21 durch Aufschlagfehler VfB und Jungiewicz setzte den folgenden Aufschlag blitzsauber und genau auf die Seitenlinie zum 17:21. Den letzten Punkt für Bühl machte der VfB durch Aufschlagfehler, danach fehlte das bisschen Glück zum großen Coup: Finoli versuchte es mit einem Ableger, dieses Mal sind die Häfler leider vorbereitet. Eine weitere Rettungsaktion von ihm an der Seitenbande wird auch nicht von Fortuna belohnt. Mit 18:25 verlieren die Bisons damit den vierten Satz gegen einen sehr starken VfB, der aber sicherlich von der reduzierten Mannschaftsstärke der Begegnung profitierte. Der Sieg ging somit verdient an den Bodensee, aber die Bühler Fans verabschiedeten ihre Bisons mit standing ovations für tollen Volleyballsport und den immer wieder aufgenommenen Kampf um jeden Ball.

Auch Team-Manager David Molnar zeigt sich extrem begeistert: "Ich bin mit unserer Leistung sehr zufrieden, wir haben sehr gut gekämpft und in den schwierigen Situationen nie aufgegeben. So eine Leistung hat daher auch verdient den VfB in Schwierigkeiten gebracht und ist ein gutes Zeichen für das kommende Heimspiel gegen Lüneburg. Am Sonntag, den 22.Januar um 14:30 Uhr wird es gegen die "LüneHünen" auch nicht einfach. Aber mit einem solchen Spiel gegen den momentan Spitzenreiter im Rücken, mit dann wieder fitten Spielern und mit der Unterstützung unserer Fans werden wir das Spiel gewinnen! Was wir brauchen, ist eine volle Halle, damit der Kessel brennt!"

Ein paar Sitzplätze und noch Stehplätze gibt es wie immer über ticketmaster.de, das Bürgerhaus Neuer Markt in Bühl und an der Abendkasse ab 13:15 Uhr.

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