Bisons überrennen Grizzlys mit 3:0

09.11.2017

Strahlende Gesichter beim gesamten Team. Auch wenn die Aufgabe „machbar“ war, mit gesundem Respekt vor dem Zweitligagegner war das Bisonsteam am Dienstag nach Giesen gereist. Letztendlich wurde aber die Sieg-Vorgabe diszipliniert umgesetzt (25:21 / 25:16 / 25:16).

Erleichterung und Zufriedenheit auch bei Manohar Faupel. Er sah eine rundum variabel und selbstbewusst auftretende Mannschaft in der Volksbank-Arena Hildesheim. „Es fehlt mir nicht am Vertrauen ins junge Team, aber die besonderen Gesetze des Pokals hatte ich schon im Hinterkopf. Vor allem waren wir gegen den Zweitligisten automatisch in der Favoritenrolle.“ so der Bisons-Geschäftsführer nach dem erfolgreichen Spiel und mit seiner Einschätzung der Ausgangslage. Die von den Grizzlys angekündigte „David gegen Goliath“-Strategie ging aber nicht auf und ein eventuelles Nervenflattern verflüchtigte sich spätestens in der zweiten Hälfte des ersten Satzes.

Mit der starting six Schmidgall, Kruzhkov, Orthmann, Yanagida, Mayaula, Pettersson und Libero Ruiz eröffnete Headcoach Wolochin das Spiel. Sein Team machte von Anfang an klar, dass man den Sieg mitnehmen wollte, aber die Grizzlys hielten dagegen. Die Bisons benötigten daher die erste Phase des Eröffnungssatzes, um in ihr Spiel zu finden.
Sicherheit gab ihnen Außenangreifer und Kapitän Masahiro Yanagida, der gleich mit einem Hammerangriff punktete und einen seiner gefühlvollen Ableger hinterher schob. Magloire Mayaula und David Pettersson in der Mitte zeigten sich ebenfalls beide glänzend aufgelegt und fanden zahlreiche Lücken im gegnerischen Block.
Giesen ließ sich davon nicht beeindrucken und konterte jeden Punkt der Bisons in der Anfangsphase mit einem erfolgreichen Gegenangriff. Lohn ihrer Arbeit: sie gingen mit 8:7 in die technische Auszeit und bauten die Führung bis 13:11 aus.

Dann legten die Bisons an Tempo zu und setzten die Grizzlys mit ihren Aufschlägen unter Druck. Der Aufschlag war zentrales Element des Bühler Spiels: ob im Sprung oder als Float, das gesamte Team setzte konsequent die Vorgaben des Trainers um. Selbst Mayaula, der mehr für seine Angriffe denn für seinen Service gefürchtet ist, gefiel mit einem Float-Ass. Überhaupt präsentierte sich der Kongolese sehr gut und packte neben präzisen Aufschlägen einige schöne Schnellangriffe aus.

Mit einem Angriff aus dem Hinterfeld schickte Yanagida die Grizzlys beim Stand von 14:16 in die technische Auszeit. Zuspieler Mario Schmidgall verteilte die Bälle und nutzte die Gelegenheit, immer wieder selbst zu punkten, so mit seinem Ableger zum 15:17. Dennoch, Giesen war heiß und kam nochmals auf 17:17 heran, Gelegenheit für Wolochin, das Team in der Bühler Auszeit nochmals zu briefen.

„Botschaft verstanden und umgesetzt.“ So könnte das Fazit des letzten Satzdrittels lauten. Außenangreifer Felix Orthmann legte nach der Auszeit mit einem Hammeraufschlag vor, dann folgte eine schöne Spielszene, in der Bühls Kapitän Yanagida den Ball auf der Mitte abwehrte und selber den Angriffspunkt machte. Pettersson ließ sich von der Begeisterung anstecken und bombte den Ball zum 18:20 ins gegnerische Feld.
Da wollte dann auch Diagonalangreifer Iurii Kruzhkov nicht mehr zurückstehen: Mit seinem Ass zum 19:23 ging es in die Zielgerade der ersten Runde. Seinen zweiten, harten Aufschlag konnte Giesen nur solange im Spiel halten, bis der zurückgespielte Dankeball von seinem Kollegen Anton Qafarena zum 19:24 auf den Boden gehämmert wurde. Qafarena war zuvor für Yanagida am Netz eingewechselt worden. Die Verschnaufpause für den Japaner gab dem Albaner Gelegenheit, seine Größe am Netz effektiv einzusetzen.
Zwei knappe Linienentscheidungen gegen Bühl brachten noch Spannung ins Spiel, aber Mayaula machte schließlich den Sack zu: 21:25 aus Sicht der Gastgeber und damit Satz 1 für die Bisons.

Auch in Satz zwei arbeitete Libero Tomas Ruiz sehr beweglich und präzise und ermöglichte Schmidgall, variabel zuzuspielen. Es entwickelte sich ein echtes Angriffs-Feuerwerk, denn der 19jährige verteilte gekonnt die Bälle und setzte damit das gesamte Team in Szene.

Diagonalangreifer Kruzhkov legte mit einem Mix aus Aufschlag-Assen und harten Angriffsbällen los und so stand es schnell 2:5 aus Grizzlys-Sicht. Als dann Yanagida zum 3:7 mit einem Block Out nachlegte, schien alles klar zu sein.
Diese Nachlässigkeit machte sich Giesens Zuspieler Marcin Kapusniak zu Nutze. Seine fünf Aufschläge, die sicherlich nicht extrem schwierig waren, brachten Bühl dazu, das bisherige Spielkonzept aufzugeben und so schickte er die Bisons bei 8:7 in die technische Auszeit.
Wolochin ordnete seine Herde in der Pause ein und verlangte mehr Konzentration. Das Team kämpfte sich wieder ins Spiel hinein, es dauerte aber bis zum 11:11, bevor der Motor bei Bühl wieder reibungslos lief.

Es war der Satz von Diagonalangreifer Kruzhkov: Mit seiner zweiten Serie von vier wuchtigen Aufschlägen machte der Russe drei der Punkte selber, einen weiteren steuerte Mayaula bei.
Danach schoss Yanagida einen Giesener Abwehrspieler ab; 12:17 und Grizzlys-Trainer Itamar Stein zog die Notbremse: Auszeit und doppelter Spielerwechsel bei Giesen.
Es half nichts, die Bisons hatten ihre Hörner gewetzt und gaben kein Stück mehr nach. Dazu war auch noch das Glück den Zwetschgenstädtern hold: so rettete Kruzhkov in der Abwehr den Ball und Yanagida legte die Murmel umgehend in die gegnerische Feldmitte ab, bevor auch nur ein Giesener reagieren konnte (15:21).
Den Rest besorgten Schmidgall mit einem Aufschlagass und Pettersson im Block, Satz zwei ging damit nach 25 Minuten und mit 16:25 an die Bisons.

In der 10min-Pause dann eine klare Ansage von Wolochin in der Spielerkabine: er verlangte ein konsequentes Spiel und damit einen klaren Sieg in drei Sätzen. Das wiederum wollte Giesen um jeden Preis verhindern, Itamar Steins Pausenansprache hatte die Grizzlys wohl wachgerüttelt. Entsprechend ausgeglichen starteten beide Team in den letzten Satz. Trotz sehenswerter Aktionen von Orthmann, Mayaula und Kruzhkov wehrten sich die Giesener und es dauerte bis zum 7:7, dann überrannten die Bisons schlichtweg ihren Gegner.

Orthmann gefiel durch sehr starke Sprungaufschläge und holte am Netz zusätzliche Punkte. Yanagida punktete wieder mit seinem schnellen Armzug und pflückte den Gegner auch im Block. Mayaula ganz stark im Block mit 3 Punkten und Pettersson brachte sich mit seinen Float-Aufschlägen ein. Über die Diagonale schwang Kruzhkov seinen Hammer und Schmidgall legte kurz ab. Giesens Angreifer fanden dagegen nur selten den Weg durch den Block und die Grizzlys-Abwehr stand auf verlorenem Posten.

25 Bisons-Punkte in 25 Minuten bei 16 Zählern auf Seiten der Grizzlys, das bedeutete Satz und Sieg sowie die Qualifikation für die nächste Pokalrunde. 840 Zuschauer sahen ein doch deutliches Ende des Spiels und ein zufriedener Headcoach Wolochin klatschte die Spieler an der Grundlinie ab.

Für Schmidgall hingegen gab es dann eine letzte, aber gerne erfüllte Aufgabe. Er musste einige letzte Meter machen, um die MVP-Goldmedaille als bester Spieler des Abends in Empfang zu nehmen.
Zu Recht, wie Wolochin befand: „Wir haben heute konsequent gespielt und die Spieler haben sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Mario hat seine Angreifer variabel eingesetzt und alle zum Zug kommen lassen. Es war sehr wichtig, dass das Spiel nicht nur von einem Spieler entschieden wurde. Das gesamte Team hat das Spiel gewonnen, für mich ist das eine wichtige Information.“

Dass Fortuna in der Zwischenzeit den Bühlern das Heimspielrecht in der Viertelfinalrunde des Pokals offeriert hatte und mit den Netzhoppers aus Königs-Wusterhausen kein allzu starker Gegner zugelost wurde, Bühls Trainer nahm es mit Wohlwollen hin.
Dennoch gab es für ihn noch keinen Grund für Freudenausbrüche: „Der November bietet uns eine ganze Palette interessanter Spiele. Schon am Samstag geht es gegen Rottenburg weiter, auch hier müssen wir fokussiert arbeiten. Und am 18.11. wird es zu Hause ein wichtiges Spiel gegen Solingen. Zusätzlich kommt mit der nächsten Pokalrunde Ende November Spiel n°5 auf uns zu. Es liegt noch genügend Arbeit vor uns. Wir müssen den Kopf frei kriegen, um in drei Tagen beim badisch-schwäbischen Duell punkten zu können.“

Ganz allein werden die Bisons aber nicht nach Tübingen reisen müssen, denn über 50 Begeisterte haben sich beim Fanclub Baden Rockets angemeldet. Mit einem Großbus, mit Trommeln und vor allem lautstark wollen sie dazu beitragen, dass dieser November für die Bühler Volleyballer ein entschieden positiver Monat wird.

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