Bisons drehen 0:2 Rückstand in Frankfurt

15.01.2018

Es fehlten Glück und Abgezocktheit im zweiten Satz. Dann wäre es gar eine faustdicke Überraschung geworden. Dennoch war es eine sehr respektable Leistung der Bisons in der Fraport-Arena (3:2 / 25:17; 28:26; 21:25; 25:27; 15:6; 129 min).

1.021 Zuschauer - davon 50 Fans der BadenRockets und nochmals gut 50 japanische Fans aus dem Raum Frankfurt und auch aus Bühl - sahen in der Fraport-Arena eine spannende Partie mit irrsinnigen Wendungen und spektakulären Bällen. Das Spiel in der Spielstätte der United Volleys Rhein-Main verlor erst im Tiebreak deutlich an Spannung und am Ende haderten die Bisons mit ihrem verlorenen zweiten Satz (28:26).
Dennoch, der Bisons-Headcoach war sehr zufrieden und das bedeutet bei Ruben Wolochin sehr viel. Wer den Argentinier kennt, weiß, dass er nicht mit Komplimenten um sich wirft. "Die Einstellung und die Moral waren heute sehr gut. Ich musste auf der Bank nicht laut werden, weil die Spieler auch so verstanden haben, worum es geht. Es ist das erste Mal in dieser Saison, dass wir uns aus einem solchen Rückstand zurück kämpfen konnten. Das freut mich sehr!"

Bisons verteilen Angriffslast auf mehreren Schultern

Wolochin hatte auch Grund zur Zufriedenheit. Der "Drachengott", wie die Spieler der japanischen Nationalmannschaft in ihrer Heimat bezeichnet werden, brannte wieder einige Löcher in den gegnerischen Boden und zeigte sich erneut sehr variabel. Satte 26 Punkte verbuchte Außenangreifer Masahiro Yanagida und mit seinen drei Aufschlag-Assen öffnete er in entscheidenden Spielphasen die Tür zu den beiden Satzgewinnen.
Aber auch sein Kollege David Pettersson punktete mit 11 Punkten in der Mitte sehr ordentlich und machte mit zwei sensationellen Aufschlägen sicherlich die "Punkte des Tages". Diagonalangreifer Anton Qafarena steuerte ebenfalls 9 wichtige Punkte bei und stellte wieder einmal seine Qualitäten als noch zu entwickelndes Potential unter Beweis. SILBER MVP Corbin Balster auf Außen sowie Mittelblocker Magloire Mayaula brachten sich mit je 8 Punkten ein. Insofern wurde die Forderung von Wolochin, dass die Mannschaft wieder variabler spielen müsse, umgesetzt.

Auch der Bisons-Block zeigte sich von seiner guten Seite. United-Spieler Patrick Steuerwald zeigte erst sehr spät, welchen Pass er spielen wollte und setzte seine Angreifer höchst variabel ein. Trotz des glänzend aufgelegten Zuspielers der Frankfurter packte Mayaula zweimal und Pettersson gar viermal richtig zu. Und wieder war es Jungtalent Anton Qafarena, der nur einen, aber den entscheidenden, Blockpunkt im vierten Satz lieferte.

Satz eins: Wechselbad der Gefühle

Im ersten Satz tasteten sich beide Team bis zum 4:4 ab, dann machte Bühl den ersten überraschenden Zug und riß mit 8:5 die Führung an sich. Nach der technischen Auszeit bauten Balster und Mayaula die Führung gar auf 5:11 auf. Die gute Laune der Bisons-Fans änderte sich aber schlagartig: 14:12 führten die Frankfurter wenige Minuten später. Damit war das Skript für das restliche Spiel geschrieben: Rantasten, vorlegen, ausbauen, zurück kämpfen, überholen und das Ganze wieder von vorne. Wobei bei den Bisons der Faden dann beim 18:17 riss: nichts lief mehr, Frankfurt dominierte den restlichen Satz und machte mit sieben Punkten ohne Gegenwehr den Sack mit 25:17 zu.

Fortuna, die Launische: wieder kein Glück im zweiten Satz

Der nächste Durchgang wirkte für die Bühler wie ein Abziehbild des zweiten Satzes in Lüneburg. Es fehlte Fortunas Gunst und auch das bisschen mehr Abgezocktheit, um den heiß umkämpften Satz zu gewinnen (28:26).
Wieder tasteten sich die Mannschaften ab, dieses mal schon deutlich enger und Bühl rettete sich mit 8:7 in die technische Auszeit. Danach gleiches Sideout-Spiel, wenig Breaks, aber die meistens bei den Frankfurtern. 16:14, die zweite technische Auszeit gehörte den Uniteds.
Als diese wieder zwei Punkte in Folge machen (19:17), unterbricht Wolochin das Spiel mit einer Auszeit und bringt Tim Stöhr für den ziemlich gestressten Japaner. Kein Wunder, denn Frankfurt hatte sich wie so oft Yanagida in der Annahme ausgesucht, im gesamten Spiel deckten ihn die United-Spieler mit 37 Aufschlägen zu. Selbst Corbin Balster kam mit 27 Annahmen da noch vergleichsweise gut weg. Stöhr punktete gleich mit einem Pipe, das Spiel aber auch in der crunch time weiterhin ein ständiges Hin und Her (22:21).

Die Uniteds machten den entscheidenden Punkt zum 23:21, leisteten sich aber dann einen Aufschlagfehler und rechneten in der Folge nicht mit Pettersson. Der Schwede machte sich geschwind zum Erfinder des "Crazy Kurvenball": Sein Float-Aufschlag wanderte nach der Netzüberquerung deutlich in Richtung Seitenaus. Dann drehte er auf den letzten beiden Metern wie von einem Magneten angezogen wieder rein und landete im letzten Winkel des Feldes. 23:23, die Fans und das mitgereiste "Bühlson" waren aus dem Häuschen.

United-Trainer Michael Warm nahm eine Auszeit, danach fand der "Hunter Masa" wieder den Weg durch den Block und Bühl auf einmal mit dem Satzball (23:24). United wehrte ab und machte gleich den nächsten Punkte (25:24). Wieder war es der Hunter, der den nächsten Ausgleich holte (25:25) und dann Uniteds nächstem Satzball einmal mehr Paroli bot, 26:26. Doch dann zeigte Fortuna den Bisons die kalte Schulter und Frankfurt machte mit zwei konsequenten Bällen den Satz zu (28:26). Enttäuschung auch bei den Bisons-Fans, es war ein echter Kurz-Krimi zu Ende gegangen, leider mit dem besseren Ende für die hessischen Gastgeber.

Die Rückkehr der Bisons

"Was in der Kabine gesagt wird, bleibt in der Kabine" lautet angeblich eine bekannte Sportlerweisheit. Daher konnten die mitgereisten BadenRockets-Fans nur spekulieren, was Wolochin seinen Spielern in der 10min-Pause in der Umkleide mitgeteilt hatte. Aber die Botschaft schien angekommen zu sein, denn die rund 1.000 Zuschauer sahen, wie das gesamte Spiel seine taktische Form wechselte. Bisher war Frankfurt die dominierende Mannschaft gewesen, auf einmal drehten die Bisons voll auf und setzten die Uniteds mächtig unter Druck. Eine andere Mannschaft präsentierte sich auf dem Feld: Libero Tomas Ruiz zeigte in den beiden Sätzen drei und vier eine tolle Annahmeleistung, auch der "Hunter" spielte befreit auf und Mitte sowie Diagonal liefen wie ein gut geölter V8-Motor.

Dennoch, die Bisons mussten Geduld haben und lange auf ihre Chancen warten. Und die erste kam nach der technischen Auszeit, als Yanagida aus einem 12:12 ein 12:14 machte: einen Punkt gab's als Attacke, den anderen in Form eines Aufschlagasses direkt hinterher. Aus dem folgenden 14:16 wurde aber ein 17:16, Wolochin zog die Notbremse und nutzte die Auszeit. "Ihr müsst ruhig bleiben und geduldig spielen." so in etwa der Inhalt seiner Ansprache.

Yanagida machte dann das 18:18 und konterte Steuerwalds Ableger zum 19:18 ebenfalls mit einem kurzen Ball hinter den Block (19:19). Nach Qafarenas "bomba" nahm Warm seine Auszeit (19:20). Das hatte aber keinen Einfluss auf Qafarena, der hämmerte den Aufschlag rüber und den Rettungsball pflückte Mayaula im Block herunter, 19:21. Dem nächsten Angriff ging Stöhr knapp aus dem Weg, trotz Proteste seitens der Frankfurter gab das Schiedsgericht den Ball "aus", 19:22 und Warm zog seinen letzten Joker: 2. Auszeit United. Mayaula wird anschließend von Schmidgall gut eingesetzt: 20:23. Den 24. Punkt für die Bisons liefert Steuerwalds Aufschlagfehler, da standen die Bühler Fans bereits auf den Rängen und schrieen sich die Kehlen heiser. Als dann Pettersson wachsam blieb und den gegnerischen Angriff in der Mitte mit seinem Block neutralisierte, tobten die Bisons-Anhänger: 21:25. Die Mannschaft war wieder zurück im Spiel.

Albanische Freudentänze: Qafarena wächst über sich hinaus

Nach dem Dämpfer durch den vorhergehenden Satzsieg der Bisons zeigte Frankfurt wieder mehr Biss. Aber weiterhin blieben die Bisons geduldig und ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. United ging mit 8:6 und 16:15 in die technischen Auszeiten, Bühl nutzte bei 10:7 die 30 Sekunden für eine Verschnaufpause. Wolochins Konzept ging auf, die Mannschaft blieb den Gastgebern beharrlich auf den Hacken und vor allem Qafarena brachte mächtig gute Laune ins Spiel. Mal legte er mit einem mächtigen Aufschlag vor und gab Yanagida die Möglichkeit, den nachfolgenden Angriff zu verwandeln, mal griff er clever über die Position vier an oder punktete über die Diagonale.

Der vorletzte Satz war insgesamt eine Wundertüte an sensationellen Bällen des Bühler Teams und entsprechend kochten Stimmung und Emotionen auf dem Feld über. "Hunter Masa" brachte es fertig, zwischen Williams Blockhänden und der Antenne den Ball durch die minimale Lücke zu lavieren, Frankfurts Steuerwald staunte nur noch über diesen Kunsttrick zum 17:17. Das Gleiche nochmals bei 22:21, als der Japaner den Ball gegen den Dreierblock zwischen Blockhände und Netzkante durchprügelte, frei nach dem Motto: "Sie haben Post". Den Ausgleich zum 23:23 lieferte Qafarena mit einem Einerblock direkt vor die Füße des gegnerischen Angreifers und belohnte sich dafür mit einem ersten kleinen Freudentanz.
Dann ein weiterer, ganz cleverer Punkt des 20jährigen Albaners, mit dem er auch den Matchball von Frankfurt abwehrte: Yanagida greift aus dem Hinterfeld an, abgewehrt von Wiliams, von Steuerwald wieder auf Williams, der touchiert den Block und Ruiz wehrt blitzschnell auf der Grundlinie ab. Schmidgall spielt den Pass etwas zu nah ans Netz und Qafarena macht aus der Not eine Tugend: er drückt den Ball dem Block auf die Hände und ins Aus, 24:24. Den emotionalen Ausbruch danach konnte man bei Qafarena bisher nur selten bestaunen: er ballt die Faust, jubelt, springt hoch und rennt glücklich über das Feld.

Der nächste Knaller: Balster im Aufschlag, der Jump-Float segelt Richtung Grundlinie und vermeintlich ins Aus. Doch dann überlegt es sich die gelb-blaue Murmel nochmals und legt sich geschmeidig und exakt vor die Grundlinie, 24:25, Satzball Bühl und die Chance den ersten Punkt gegen die United einzusacken. Man muss kaum schreiben, dass es da Qafarena fast zerreißt, er dreht sich um, bejubelt mit den anderen Balsters Ass und geht auf die Knie, Emotionen pur. Doch Frankfurt gleicht aus zum 25:25: Es ist der Wahnsinn, der gesamte Bühler Fanblock steht auf der Tribüne, schreit und klatscht, was für eine Dramatik.

Masahiro Yanagida bringt die Bisons wieder in Führung, mit seinem Blockout überwindet er den United-Dreierblock und schreit anschließend seine Begeisterung heraus. Pettersson macht dann die Wundertüte komplett: mit einem Float entlang der Grundlinie spielt er den Ball wie im dritten Satz in die letzte Ecke des Feldes. Libero Julian Zenger hechtet sich zwar noch nach dem Ball, den die Annahme falsch eingeschätzt hat, aber es ist zu spät: die Bisons gewinnen mit 26:24 Satz vier. Pettersson in Jubelpose und das Bühlson schaut bewundernd zu, als Qafarena zur nächsten Runde seiner Freudentänze ansetzt. Er hüpft über das ganze Feld, denn das muss einfach aus ihm heraus. So schön kann sich ein Satzgewinn anfühlen.

Zu dominante Uniteds im Tiebreak

So positiv der vierte Satz für die Bisons gewesen war, so nüchtern gestaltete sich das Tiebreak: Michael Warm hatte sein Team wieder fokussiert, denn es sollte bei dem einen Ausrutscher gegen die Bisons bleiben. Mit 6:2 und 8:3 legten die Frankfurter los wie besagte Feuerwehr. Auch nach dem Satzwechsel gab es kaum Chancen für die Bisons, 10:4, 11:5 und abschließend 15:6. Irgendwie war die Luft im fünften Satz bei den Bisons raus und Frankfurt sicherte sich zumindest die beiden restlichen Punkte.

Team-Manager David Molnar trug das abrupte Ende des Spannungsbogens mit Fassung: "Ich freue mich sehr, dass wir den einen Punkt mitgenommen haben! Da sieht man jetzt den Unterschied, wo wir am Anfang der Saison waren und wo wir jetzt stehen. Wir entwickeln uns Schritt um Schritt und sind auf einem guten Weg. Schade, dass wir im zweiten Satz zu wenig Glück hatten. Aber nach der 10 min-Pause waren wir entspannter und fokussierter."

Glänzende Augen auch bei Dieter Habich, dem Vorsitzenden des Fanclubs BadenRockets: "Mit Unterstützung der 50 mitgereisten Fans haben es die Bisons geschafft, einen wichtigen Punkt aus der Fraport-Arena zu entführen. Nach einem 0:2 Satzrückstand, wobei der zweite Satz schon sehr umkämpft war, haben die Bisons eine spannende Aufholjagd mit vielen spektakulären Ballwechseln gestartet. Schon der dritte Satz ließ erahnen, dass hier eventuell noch was zu holen ist!"
Stolz ist Habich auch auf "seine Truppe", denn die hätte unermüdlich ihr Team angefeuert und sie zum Tiebreak getrommelt. Dass dort die Konzentration nachließ, fand Habich "nicht so schlimm, schließlich hatten wir den Punkt in der Tasche, an den wir nicht zu hoffen gewagt hatten".
Habich erhob die Performance der Bisons aber gleich zur neuen Messlatte: "Eine großartige Leistung, die es im nächsten Heimspiel gegen die AlpenVolleys zu bestätigen gilt."

Tickets für das nächste Heimspiel am Samstag 20.01.2018 gibt es online bei www.ticketmaster.de, im Bürgerhaus Neuer Markt in Bühl (Öffnungszeiten siehe http://www.buergerhaus-buehl.de/de/) und an der Abendkasse ab 18:30 Uhr.

 

 

Nach einem tollen Spiel: Dankbare Bisons mit ihren japanischen und badischen Fans Bildrechte: Volleyball Bisons Bühl

Zurück zur Übersicht