Interview mit Oliver Stolle zur aktuellen Situation

08.04.2020

Beginnend im Interview mit der Frage nach der Gesundheit. Wie geht es dir und wie geht es den Spielern?

"Danke der Nachfrage! Meiner Familie und mir geht es soweit gut. Wir sind symptomfrei und auch nicht erkrankt. Ich arbeite, wie die meisten im Home Office. Viele der Spieler sind auch noch in Bühl, da sie bei Einreise in ihre Heimatländer mehrere Wochen in Quarantäne müssten oder aktuell gar nicht mehr aus- bzw. einreisen dürfen. Dennoch halten sich die Spieler weiterhin privat fit".

 

Nach deinem Start als Manager der Volleyball Bisons begann die frühzeitige Beendigung der Saison durch COVID-19. Wie fällt dein Fazit für die Saison 2019-2020 aus?

"Die Saison 2019/20 war geprägt durch viele Stolpersteine. Es begann mit dem Weggang von Manohar Faupel, wodurch ich spontan als Interimsmanager eingesprungen bin. Dann ging es damit weiter, dass die erwartete Leistung von der Mannschaft auf dem Feld nicht erbracht wurde, weshalb wir uns von Head-Coach Johan Verstappen getrennt haben. Im Frühjahr stand dann die Entscheidung fest, dass ich die Position als Manager der Schwarzwald-Volleys-Bühl GmbH voll umfänglich übernehme. Es erfolgte die Einigung mit den Gesellschaftern die Position für die nächsten Jahre zu übernehmen, um das Projekt Volleyball in Bühl mit der ersten Bundesligamannschaft zukunftssicher zu begleiten. Zum Ende dieser Saison haben wir es nicht geschafft uns von den Abstiegsplätzen zu entfernen und aus eigener Kraft in der regulären Runde sportlich den möglichen Abstieg zu verhindern. Die Krönung war letztendlich der Abbruch des Spielbetriebs aufgrund der Coronakrise. Einerseits ist das natürlich sehr schade aber auf der anderen Seite auch absolut verständlich und richtig, denn die Gesundheit hat obererste Priorität. Wir sind aus dieser Situation heraus nun zwar der „Lucky Loser“, da wir weiter mit der ersten Bundesliga planen können, dennoch will ich solch eine holprige Saison nicht noch einmal erleben".

 

Damit schließen wir die Saison 2019/2020 ab und widmen uns der kommenden Saison. Die Fans fragen sich natürlich, wie es mit den Volleyball Bisons Bühl weitergeht. Mit Eltmann und Rottenburg haben zwei Vereine sich aus der Volleyball Bundesliga zurückgezogen. Es droht eine Saison mit wenigen Mannschaften. Wie groß siehst du diese Gefahr?

"Dass Eltmann aus der Insolvenz nicht herausgekommen ist, die Lizenz für die kommende Saison damit nicht beantragt und sich erst einmal komplett aus der ersten und zweiten Bundesliga zurückzieht, ist aufgrund der aktuellen Situation der Coronakrise für mich nicht überraschend. Durch den Lockdown und die Kurzarbeit war damit zu rechnen, dass es für Eltmann schwierig werden wird. Rottenburg war eher überraschend, dass sich der Verein komplett aus der ersten und zweiten Bundesliga verabschiedet und mit einem Neustart in der dritten Liga beginnen möchte. Ich denke Rottenburg ist ähnlich wie Bühl, eher eine ländliche Region und ich gehe davon aus, dass sie auch viele kleine Betriebe im Umfeld haben, die mit ähnlichen Problemen wie unsere Unterstützer zu kämpfen haben. Sie sind wahrscheinlich zum großen Teil im Lockdown, dürfen ihre Geschäfte nicht aufmachen, dürfen nicht verkaufen, sind in der Kurzarbeit und halten sich so am Leben. Alle hoffen auf eine bessere Situation in den nächsten Wochen und darauf, dass wir alle wieder zur Normalität zurückkehren können. Denn keiner weiß was passiert, wenn die Betriebe über einen längeren Zeitraum in Kurzarbeit gehen müssen oder sogar die Insolvenz droht. Ich habe schon Verständnis für diese Entscheidung, die Verantwortlichen haben sicherlich lange diskutiert und abgewägt. Insofern kann man nur sagen, schade dass sich Rottenburg zurückgezogen hat, schade dass es die Derbys, die immer sehr spannend und emotionsgeladen waren, vorerst nicht mehr geben wird. Ich werde Rottenburg aber weiterhin treffen und wir bleiben mit unseren Jugendmannschaften auch weiterhin Konkurrenten. Wir haben in der Vergangenheit schon spannende Matches auf Süddeutschen und Deutschen Meisterschaften ausgetragen und ich freue mich, dass ich die Leute aus Rottenburg weiterhin sehen werde".

 

Müssen sich die Fans Sorgen um die Ligazugehörigkeit der Volleyball Bisons Bühl machen?

"Hättest du mir diese Frage vor vier Wochen gestellt, hätte ich diese wahrscheinlich ganz anders beantwortet als heute. Wir können im Moment nur spekulieren und wissen noch nicht, ob wir den Höhepunkt der Coronakrise schon erreicht haben und wann wir zur Normalität zurückkehren können. Mit den mir aktuell vorliegenden Informationen und Fakten und den Zusagen der Sponsoren werden wir in eine neue Saison gehen. In den letzten zwei bis drei Wochen sind wir in intensiven Gesprächen und erörtern wie es mit einem weiteren Engagement in der neuen Saison aussieht. Wir haben einen Großteil an Sponsoren, die bei uns bleiben und uns weiterhin unterstützen, das freut uns sehr denn ohne Sponsoring funktioniert kein Spielbetrieb. Wir haben leider auch schon ein paar Sponsoren verloren, die die Krise bereits hart getroffen hat. Damit ist ein Sponsoring in Form von einer finanziellen Unterstützung für diese Unternehmen unmöglich. Wiederum andere können heute noch keine Auskunft und Prognose abgeben, ob ein Sponsoring für die kommende Saison möglich ist. Mit diesen Sponsoren bleiben wir natürlich weiter in Kontakt und schauen ob und in welcher Höhe ein Etat zur Verfügung steht. Damit bleibt uns nur sich weitere vier bis sechs Wochen zu gedulden und abzuwarten wie sich die Krise entwickelt, das ist im Moment die Ausgangsituation. Wir planen mit der ersten Liga, allerdings kennen wir heute noch nicht die Höhe unseres Budgets".

 

Ein weiteres Thema, welches die Fans interessiert, sind die Heimspiele in der kommenden Saison. Geisterspiele oder eine Verschiebung der Saison stehen im Raum. Damit sind wiederum auch Einnahmen aus dem Spielbetrieb gefährdet. Ist es für die Volleyball Bisons Bühl denkbar mit Geisterspielen in die Saison zu starten oder hältst du eine Verschiebung der neuen Saison bei einem erneuten Anstieg der Infizierten für möglich?

"Wir können nicht in die Zukunft sehen und die Situation im September vorhersagen. Natürlich stehen wir in ständigem Kontakt mit der VBL und den Managern der andern Bundesligisten und halten Videokonferenzen, um uns auszutauschen, wie die Planung für die Saison aussieht. Da steht auch das Thema auf dem Plan: was passiert, wenn wir im August nicht wie gewohnt in die Halle und trainieren können. Auf die Frage ob wir die Vorbereitung absolvieren können kann auch die VBL noch keine genaue Aussage treffen. Aber aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass sich die Lage um die Coronakrise bis zum August soweit verbessert hat, dass wir in die Vorbereitung gehen können und Testspiele stattfinden. Sicher können wir uns aber nach wie vor nicht sein. Dann steht uns eventuell auch eine zweite Infektionswelle bevor wenn es Richtung Herbst kühler wird und Grippe- sowie Coronaviren erneut auftreten. Dieses Thema haben wir auch schon innerhalb der Liga angesprochen und die Frage gestellt, ob die Vereine gewillt sind Geisterspiele zu bestreiten. Die VBL ist dabei diverse Szenarien vorzubereiten wie so ein Spielbetrieb aussehen könnte und dies wird dann innerhalb der Liga zur Diskussion gestellt. Dennoch wird es schwierig mit den Geisterspielen langfristig zu arbeiten. Die Emotionen im Hexenkessel sowie die Stimmung sind sicherlich einmalig und machen den Heimspieltag aus. Wenn wir unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen haben wir ein Problem, da Sponsoren und Karteninhaber nicht in der Halle sein können. Wir würden Probleme mit den Sponsoren bekommen, die für eine Leistung bezahlt haben, die wir nicht mehr erbringen können mit wirtschaftlichen Folgen, die wir bisher nicht abwägen können. Die Liga ist sich einig, dass Geisterspiele nur im Notfall ein Mittel der Wahl sind".

Danke für das ausführliche Interview, Oliver!

Bis dahin bleibt gesund!

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