Geschorene Bisons gewinnen gegen Solingen

20.11.2017

Am Ende waren es 3 Punkte für die Bisons, wie die Fans im Vorfeld gefordert hatten. Das vermeintlich "leichte" Spiel hatte es jedoch in sich und die Bisons mussten sich mächtig ihres Leders erwehren.

Etwas "zerrupft" schauten die Bisons nach der Partie aus, denn die Bergischen Volleys hatten wie befürchtet ihre Messer gewetzt und wollten die Bisons scheren. Letztendlich gelang dies den Spielern um Trainer Johann Isacsson nicht, aber Solingen hatte sich zu Recht allen Respekt als unangenehmer und annahmestarker Gegner verdient (25:15; 29:27; 18:25; 25:18; 90 Minuten).

Headcoach Ruben Wolochin war zufrieden mit der Punktausbeute, zog aber eine nüchterne Bilanz bezüglich der Performance seines Teams. "Wir wussten, dass Solingen als vermeintlicher under dog die leichtere Rolle hatte. Und der Druck von außen war hoch, denn jeder hat von uns erwartet, dass wir nicht verlieren. Aber wie ich gesagt habe: Solingen hat gute Spieler und kann junge Mannschaften wie Bühl mächtig einheizen."

Warm war es auf jeden Fall im Hexenkessel Bühl, die Getränke waren kaltgestellt, in ausreichender Menge vorhanden und gingen entsprechend gut über die Theke. Dabei sah es zunächst nach einem kurzen Spiel aus, denn es brauchte nur 21 Minuten und die Bisons wechselten bei 25:15 die Seiten.

Jedoch war schon von Anfang an klar, dass die Bergischen Volleys nicht mit leeren Händen nach Hause reisen wollten. ausgeglichen starteten beide Teams und mit 6:8 aus Sicht der Bühler ging es in die erste längere Auszeit. Es brauchte noch 6 Punkte, dann endlich gingen die Bisons bei 13:12 in Führung. Diese bauten sie kontinuierlich aus, denn Solingen brach in dieser Phase auseinander und Bühl macht ein wirklich gutes Spiel. Ein wacher Tomas Ruiz lieferte als Libero die notwendigen Annahmen zu Mario Schmidgall und verteilte clever. Die Schlussphase des Satzes bestimmte der 19jährige Bühler Zuspieler auch noch im Aufschlag: bei 18:14 ging er an die Grundlinie, erst bei 24:15 aus Bisons-Sicht konnte Solingen den Ball noch einmal zurück erobern. Letztendlich war es aber nur Makulatur, denn ein Punkt später konnten die Fans sich und die Mannschaft zum ersten erfolgreichen Teil des Spiels beglückwünschen.

Vielleicht war das schon zu einfach gewesen, denn die Bisons starteten sehr zögerlich in Runde 2. Wobei erst mal Solingen den Motor anwarf und wegzog. Bei 0:4 musste Wolochin die erste Auszeit nehmen, danach kamen die Zwetschgenstädter langsam in Schwung, liefen aber immer den Solinger hinterher. Ergebnis: 4:8 gegen die Bisons und Verschnaufpause in der technischen Auszeit. Mathematisch perfekt nahm Wolochin bei 8:12 seine zweite Auszeit, denn Bühl fand einfach keine Lösung, um den stark spielenden Solingern Paroli zu bieten. 12:16, gleiches Bild: technische Auszeit, Solingen dominierte diesen Satz und es sah nicht nach einer Veränderung aus.

Es war Solingen, welches die Partie zu Gunsten der Bisons drehte: erst ein Übertritt beim Solinger Aufschlag, dann punktete Mayaula durch die Mitte und schließlich ein Netzfehler der Bergischen: Ein genervter Isacsson holte seine Spieler zusammen, denn der Vorsprung war auf einen Punkt zusammengeschmolzen. Und den egalisierte Masahiro Yanagida, 17:17, der Satz war wieder offen!

Die Schlussphase des Satzes bot das, was bis dahin gefehlt hatte. Die Teams waren auf Augenhöhe und die Zuschauer genossen ein Feuerwerk an tollen Angriffen, denn beide Seiten kämpften verbissen um die Führung. Die hatte Bühl dann bei 23:22, Solingen mit den besseren Nerven machte aber den Ausgleich. Bühls Punkt zum 24:23 beantworteten die Solinger mit einem tollen Rallye, an dessen Ende der Ball nur knapp neben der Solinger Seitenlinie landete. 24:24, die Fans waren schon längst nicht mehr auf den Bänken.

Gleiches galt für den Trainer der Bergischen: Isacsson stand an der Seitenlinie, musste aber zusehen, wie Solingen gleich 3 Satzbälle durch Aufschlagfehler vergab. Und wie schließlich Pettersson und Kruzhkov den Ball zum 29:27 für Bühl ins Solinger Feld blockten. 2:0 für Bühl!

Nach der 10min-Pause zeigte sich Solingen nicht weniger entschlossen, mit 5:3 und 8:5 ging die Gäste in Führung. Die bauten sie bis zum 14:9 aus, die Bisons wirkten in diesem Satz müde und so wirklich schienen sie nicht daran zu glauben, dass noch was zu holen sei. Solingen dagegen zeigte sich stark in der Abwehr und häufiger mit dem besseren Abschluss. Stellenweise führten die Klingenstädter mit 8 Punkten, für die Bühler Fans waren dies sicherlich die härtesten Momente des Abends. Nur zu selten blitzte was vom Bühler Spielwitz auf, aber deutlich zu wenig und Solingen ließ sich nicht lange bitten und machte mit 25:18 den Satz für sich zu.

Ruben Wolochin nutzte seine drei Minuten Pause für eine klare Ansage: entsprechend wach und aufgerüttelt ging sein Team in die vierte Runde. Solingen hielt dagegen, aber Bühl blieb ruhig und fokussiert. Die Bisons belohnten sich folglich mit einem Polster von drei Punkten (8:5). Auch nach der Auszeit waren die Rollen klar verteilt: Bühl legte vor und Solingen lief dem Vorsprung hinterher.

Bei 15:10 schien Solingen die Luft auszugehen und bei 20:16 gingen die Bisons in den Endspurt. Mayaula prägte diesem letzten Abschnitt seinen Stempel auf: Der im ganzen Spiel stark aufspielende Kongolese machte den Punkt zum 21:17 und setzte mit seinen folgenden Aufschlägen Solingen so unter Druck, dass diese den Ball nicht mehr ins gegnerische Feld brachten. Den Matchball hatte Mayaula auf der Hand, der Aufschlag flog aber ins Aus. Es blieb seinem Mittelblockerkollegen Pettersson überlassen, den folgenden Angriff zum 25:18 zu verwandeln. Mayaulas Leistung tat dies aber keinen Abbruch mehr: Mit 15 Punkten und einer phänomenalen Angriffsquote von 86% holte er sich zu Recht den Titel als bester Spieler im Bühler Team.

Erleichterung auch beim Team-Manager David Molnar: "Es war teilweise ein zähes Spiel. Aber die Jungs haben in 14 Tagen vier Spiele gehabt, da darf man auch mal nicht ganz so fit sein. Wichtig sind die 3 Punkte, für unseren Tabellenstand und vor allem als Grundlage gegen die Netzhoppers nächste Woche. Da müssen wir deutlich nachlegen, aber drei Siege in Folge, das ist gut für das Selbstbewusstsein."

Dieses Selbstbewusstsein brauchen die Bisons direkt am kommenden Samstag: innerhalb von nur 4 Wochen kommt es zur zweiten Begegnung gegen die Netzhoppers. Das Losglück im Viertelfinale des Pokals war den Bisons hold: Im Bühler Hexenkessel soll der Sieg Ende Oktober gegen das Team von Mirko Culic wiederholt werden. Für Trainer Ruben Wolochin keine leichte Aufgabe: "Das wird unser fünftes Spiel in 22 Tagen. Es gilt, konzentriert zu arbeiten, aber auch genügend Ruhe vor dem Spiel zu haben. Nicht reisen zu müssen, das hilft uns dabei auch. Und mit einer vollen Halle wollen wir alles daransetzen, in die vorletzte Runde des Pokals zu kommen.“

Magloire Mayaula machte ein starkes Spiel und wurde verdient MVP des Abends. Bildrechte: IKKEN URAKAWA (NEXt)

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