Enttäuschte Bisons verlieren 1:3 in Lüneburg

07.01.2018

Frustration pur nach einem spannenden Spiel: Mannschaftskapitän Yanagida übernimmt viel Verantwortung, kann sich aber mit seinen Bisons-Kollegen nicht durchsetzen (25:21; 32:30; 21:25; 25:16).

Es war von Anfang an eine Höllenstimmung in der Gellersenhalle. Diese war wieder pickepackevoll und die Geräuschproduktion der 800 Lüneburger Fans war sehr eindrucksvoll. Gut 15 Bühler Fans hatten sich trotzdem in der Halle eingefunden und unterstützten ihre Mannschaft nach besten Kräften.

Die Bisons wirkten zu Beginn etwas von der dichten Atmosphäre eingeschüchtert, hielten aber dagegen. Masahiro Yanagida setzte den ersten Akzent mit einem kraftvollen Aufschlag-Ass zum 0:1. Zuspieler Mario Schmidgall legte gleich mit einem Block nach.
Dann eine längere Spielunterbrechung: David Pettersson hatte einen Ball ins Gesicht bekommen und griff sich wiederholt ans Auge. Nach Rücksprache mit der ersten Schiedsrichterin überzeugte er diese, dass er weiterspielen konnte. Die Bühler Fans atmeten auf.

In der Folge entwickelte sich ein Schlagabtausch auf Augenhöhe, Anton Qafarena punktete kurz vor der technischen Auszeit zum 7:7, Lüneburg ging knapp mit 8:7 in die Pause. Auch bis zum nächsten Stopp keine Veränderung: beide Mannschaften hielten einander in Schach, wiederum hatte Lüneburg bei 16:15 die Nase knapp vorne. Dieses Momentum nutzten die Gastgeber und zogen das Tempo an, 19:16.
Ruben Wolochin nutzte bei 21:17 seine zweite Auszeit, um seine Bisons auf die wichtige Spielphase einzustellen, es wirkte, kurzzeitig. Yanagida verkürzte mit einem Angriff und Aufschlagass auf 22:20, Corbin Balster steuerte das 23:21 bei.
Am Ende des Satzes machte Lüneburg mit einem abgezockteren Spiel und vor allem im Block den Satz mit 25:21 zu. Bühl zeigte sich wiederum zu wenig präsent im Block, entsprechend schwierig war es für die Feldabwehr, den Lüneburger Diagonalangreifer in den Griff zu bekommen.

Marathonsatz mit glücklosem Ende für die Bisons

Wolochin brachte Oleksandr Dmytriiev für Schmidgall im Zuspiel. Und die Bisons gaben Gas. Yanagida legte mit einem Kracher über die Außenposition vor und Magloire Mayaula blockte nach einem längeren Rallye. Der nächste Schlagabtausch gab einen Vorgeschmack auf den Satz: ein sehr langer und packender Ballwechsel, der aus Bühler Sicht nicht belohnt wurde.
Bei 6:4 nahm Wolochin Balster vom Feld und brachte wieder Felix Orthmann. Der bedankte sich mit einer tollen Rettungsaktion und Mayaula blockte zum Abschluss seinen ehemaligen Team-Kollegen Noah Baxpöhler.
Mit 8:5 gingen die Lüneburger vom Feld, die nächste Auszeit nahm Wolochin dann direkt beim 9:5 aus Lüneburger Sicht. Die Ansage vom Headcoach wirkte; Qafarena durchbrach den nächsten Block und Pettersson holte den nächsten Blockpunkt.
Die Zwetschgenstädter kämpften sich wieder heran, aus einem 10:7 machen sie ein 13:13. Dazu trugen Mayaula und Orthmann mit ihren Blocks und dann Yanagida mit seiner Aufschlagserie maßgeblich bei. Lüneburg reagierte mit einer Auszeit, 13:14.

Wahnsinnige 35 Punkte folgten bis zum Satzende: ein atemloser Krimi, denn beide Teams kämpften verbissen um jeden Zähler. Mayaula punktete von Dmytriiev bedient, Orthmann warf sich einmal mehr in die Bresche und rettete den Ball zum 15:16. Kurze Verschnaufpause für beide Mannschaften, danach ging es nahtlos weiter. Bei 18:17 dann die nächste Auszeit für Bühl.
In der Folge sahen die Zuschauer in einer aufgeheizten Atmosphäre einen schönen Ableger von Yanagida und Qafarena packte immer wieder seinen Hammerarm aus. Magloire blockte Lüneburgs Angriff weg und Dmytriiev legte blitzschnell den Ball beim Gegner ab.

Nur kurz hatten die Teams Zeit, Luft zu holen: Yannick Goralik ersetzte Mayaula im Aufschlag, der Kongolese kam aber gleich wieder zurück aufs Feld. 23:22 und der Satz war noch lange nicht vorbei.
Das dachten sich auch Yanagida und Qafarena, die immer wieder die Lücken suchten und erfolgreich den Ball im Lüneburger Feld platzierten. Stark in dieser Phase auch Mayaula, der mit einem Lob zum 26:26 und Block (28:28) das Spiel weiter offenhielt.
Was fehlte, war der Break, um den Satz abschließen zu können. Mit aller Kraft hielten die Bisons den Lüne-Hünen Stand, Pettersson blockte zum 30:30. Schließlich hatte Lüneburg doch die besseren Nerven und machte mit den nächsten zwei Punkten den Sack zu (32:30): nach einem strittigen Ball im Aus - die Bühler reklamierten eine Berührung von Lüneburg - verloren die Gäste diesen mehr als umkämpften Satz.
Bitter für Wolochin, der nach dem Spiel anmerkte, dass seine Mannschaft heute „zu jung gewesen sei“. Damit traf er den Nagel auf den Kopf: es fehlten das bisschen mehr Abgeklärtheit, die Nerven und auch die Erfahrung, um die entscheidenden Punkte in der crunch time zu machen.

Bisons kommen nach der 10-Minuten-Pause stark zurück

Es musste eine sehr klare Ansprache von Wolochin gewesen sein. Mit gewetzten Hörnern kamen die Bisons wieder aus der Umkleidekabine und boten Lüneburgs Headcoach Stefan Hübner und dem Gegner ein komplettes anderes Bild.

Drei Punkte für Bühl gleich zu Beginn des Durchgangs: ein erfolgreicher Block und danach gleich zwei Aufschlagasse von Qafarena, der mit 17 Zählern die meisten Punkte auf der Bühler Seite machte.
Die Mitte der Bisons zog mit: Maya shotete schön links vorbei, Pettersson holte den Ball im Block runter, Bühl ging bei 3:8 in die Auszeit. Danach hielt Orthmann das Tempo weiter hoch (4:10).

Lüneburg fand keine Lösung für die stark aufspielenden Bisons. Yanagida schaufelte zwei weitere Punkte auf sein Konto, er machte 14 Punkte insgesamt. Im gesamten Spiel war er allgegenwärtig: mit 32 Annahmen im gesamten Spiel schoss sich Lüneburg regelrecht auf ihn ein. Der Japaner baggerte, sprang wie auf Federn im Aufschlag und in der Attacke. Als Kapitän nahm er sich nicht weniger in die Verantwortung wie das gesamte Team.
Mittelblocker Pettersson machte im nächsten Abschnitt drei weitere Punkte zum 12:16, 13:17 und 14:19. Dazwischen zwang Yanagida mit einem gefühlvollen Ableger Lüneburg in die Auszeit (13:18).

Bei 16:19 stabilisierte Wolochin mental die Bisons, er nahm eine Auszeit und bereitete sein Team auf den wichtigen Satzabschluss vor. Es funktionierte: 18:22, zweite Auszeit Lüneburg.
20:22, Wolochin nahm seine letzte Auszeit und schickte seine Jungs bestens eingestellt zurück aufs Feld und zurück in die crunch time.
Die bestimmte dann Orthmann mit seinen Zählern zum 20:23 und 20:24. Pettersson wiederum legte den Schlussstein zum Satz drei, 21:25. Bühl war wieder da!

Einbruch im letzten Durchgang: Kraftverschleiß macht sich bemerkbar

Bühl hatte sich vorgenommen, weiter dominant aufzutreten und bis zum 9:9 klappte das auch. Orthmann und Pettersson stachen in dieser Phase des Spiels hervor: Orthmann blockte dabei zweimal erfolgreich.
Lüneburg ging bei 8:6 in die lange Auszeit, es sah nicht nach einem Bruch im Bühler Spiel aus. Bühl spielte sich auf besagte 9:9 heran, dann wirkte das Ganze plötzlich, als hätte jemand die Bisons an die Kette gelegt. Die Auszeit bei 12:9 und der Spielerwechsel von Schmidgall für Dmytriiev bei 14:11 brachten keine Veränderung, Lüneburg ging mit 16:12 in die zweite technische Auszeit.
Der nächste sehr lange Ballwechsel ging an Lüneburg, Bühl nahm seine letzte Auszeit bei 17:12.

Es klappte nicht: Als wäre der Stecker gezogen worden, standen die Bisons auf dem Feld. Vor allem bei Yanagida machten sich die vorhergehenden, kräfteraubenden Sätze bemerkbar. Kein Spieler in der Halle hatte an diesem Abend mehr Aufschläge abgeliefert: 24 Sprungaufschläge Marke „Hunter Masa“, davon satte 7 Asse. Dazu kamen 32 Annahmen und 29 Angriffe, der Jäger wirkte einfach platt gegen Ende des Abends. Von seinen 29 Versuchen hatte er mit „nur“ 7 erfolgreichen Angriffen zu oft den Ball nicht gegen die Lüne-Hünen platzieren können.

Lüneburg konnte jetzt nach Belieben schalten und walten und zog auf 23:15 davon, Dann folgte noch ein erfolgreicher Block von Bühl (23:16). Aber das war zwei Punkte später nur noch Kosmetik, mit 25:16 machte das Lüneburger Team den Matchball und ließ sich von seinen Fans frenetisch feiern.

Frustration dagegen bei den Bisons, von den müden und enttäuschten Gesichtern war deutlich abzulesen, dass sie sich mehr von diesem Spiel erwartet hatten. Auch Wolochin konnte nicht verbergen, wie sehr er an diesem Ausgang zu tragen hatte. Jedoch war auch ihm klar, dass es seiner jungen Mannschaft noch an der entsprechenden Erfahrung fehlt. „Heute waren wir zu jung, um vor allem im zweiten Satz den Abschluss zu finden. Mit einem besseren Ende hätten wir sicher besser in unser Spiel gefunden.“
Team-Manager David Molnar konnte sich über die Auszeichnung von Oleksandr Dmytriiev als SILBER MVP freuen, teilte aber die Enttäuschung seiner Mannschaft: „Sasha hat sich nach seiner langen Pause wieder gut reingefunden und war eine Entlastung für Mario, der heute keinen guten Tag erwischt hat. Ich kann mir gut vorstellen, wie tief enttäuscht die Jungs sind.“

Auch die Bühler Fans Delegation litt mit ihrem Team, gleichzeitig war sie stolz auf die Leistung im zweiten und dritten Spielabschnitt. Die ebenfalls mitgereisten Geschäftsführer Achim Kammerer und Manohar Faupel sahen das Ergebnis mit Bedauern, aber auch nüchtern: „Klar, es hat der Abschluss im langen Satz gefehlt. Und wir müssen es schaffen, Yanagida mehr zu entlasten. Andererseits hatten wir einen guten Lauf von Anfang November bis Mitte Dezember. Das hatte keiner vorhergesehen und die Erwartungen sind automatisch gestiegen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die neue Mannschaft noch in der Entwicklung ist und lernen muss. Zum Laufen lernen gehört eben auch, dass man zwischendurch hinfallen muss. Das tut weh, aber das Team wird daraus gestärkt hervorgehen.“

Anton Qafarena lieferte starke 17 Punkte ab, aber durfte am Ende mit den Bisons nicht jubeln. Bildrechte: Lucas Martin Photography

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