Bisons haben kein Präsent für Lüneburg im Gepäck

04.01.2018

Wenn die Bisons am Dreikönigstag im Norden spielen, bleiben Gold, Myrre und Weihrauch daheim. Geschenke soll es für die "Lüne-Hünen" nicht geben, vielmehr für die Bisons wichtige Tabellenpunkte.

„Es wird eine lange Reise am Freitag, aber wir sind nicht die drei Könige. Und außer guter Laune, Freundlichkeit und Fairplay haben wir nichts zu verteilen.“ gibt Manohar Faupel mit einem Grinsen, aber gleichsam kämpferisch die Marschrichtung für das Wochenende vor. Dazu muss gesagt werden, dass man zu den Lüneburgern ein sehr gutes Verhältnis pflegt. Beide Mannschaften schätzen einander, die Fanclubs der Teams freuen sich auf Begegnungen auch abseits des Feldes und die Stimmung bei den Heimspielen in Bühl und Lüneburg ist immer positiv und motiviert alle Beteiligten.

Damit erschöpfen sich aber auch die Gemeinsamkeiten, denn am Samstag kämpfen Lüneburg wie Bühl um wertvolle Punkte für die Tabelle. Mit Platz 7 und 8 liegen beide direkt nebeneinander, wobei Bühl bereits ein Spiel mehr absolviert hat. Der Blick auf die Tabelle verrät noch mehr: AlpenVolleys, Herrsching, Bühl und Lüneburg bilden einen dichten Viererblock im Mittelfeld, magere drei Punkte trennen dabei die Plätze fünf bis acht.
„Die Lüneburger spielen auch in diesem Jahr eine gute Saison. Sie sind ein kompaktes Team und die Kunst wird sein, dass wir von Anfang an Druck aufbauen.“ schätzt Headcoach Ruben Wolochin das Spiel als sehr anspruchsvoll ein. Die Siege der vorgehenden Spielzeit teilte man sich: Bühl verlor knapp bei den „Lüne-Hünen“ mit 2:3, die Niedersachsen kassierten im Gegenzug eine 1:3 Niederlage in der Zwetschgenstadt.

Heimvorteil Gellersenhalle: Bisons spielen unter erschwerten Umständen

Damit scheint die Situation am Samstag ausgeglichen, jedoch haben die Lüneburger einen nicht zu verachtenden Heimvorteil, und das ist ihre Halle. Die „Gellersenhölle“ gilt mit niedrigen 8m und gerade mal 1.000 Plätzen als „Schuhkarton der Liga“. Diese liebevolle Bezeichnung teilt sie sich mit der Spielstätte der Bayern in Herrsching. In beiden Hallen ist die Decke zu niedrig, die Zuschauerkapazität zu gering, das Licht zu schwach. Das wissen in Lüneburg nicht nur die Bundesligaverantwortlichen um Geschäftsführer Andreas Bahlburg, sondern auch die Stadt und der Landkreis. Mit Hochdruck wird daher gemeinsam an der Realisierung eines neuen Sport- und Eventzentrums in Lüneburg gearbeitet, welches ab der Saison 2019/20 den Volleyballern internationale Dimensionen und über 3.000 Plätze bieten soll. Bahlburg weiß um die Brisanz der Thematik, denn „wir haben eine weitere Ausnahmegenehmigung bekommen, unter der Auflage, dass die neue Halle kommen muss.“

In Lüneburg treffen die Bisons auf ein bekanntes Gesicht, Mittelblocker Noah Baxpöhler zog es nach seiner letzten Saison von Bühl aus in den kühlen Norden. Er freut sich auf die Partie und weiß den Heimvorteil der Begegnung zu schätzen: „Ich denke es wird ein spannendes und enges Spiel. Die Bühler haben sich in der Saison entwickelt, aber wir sind bereit, ein gutes Match abzuliefern. Wir wollen den Heimvorteil der Gellersenhölle ausnutzen.“

Chris Zuidberg verstärkt die Bühler Mittelblock-Position

„Neu“ im Bühler Kader ist Mittelblocker Chris Zuidberg. Der 23jährige Luxemburger hat seine dreimonatige Grundausbildung bei der Armee absolviert und darf seit dem 01.01.2018 als Sportsoldat seiner professionellen Sportkarriere nachgehen. Dass dies im Ausland möglich ist und er durch seinen Mentor Burkhard Disch nach Bühl vermittelt wurde, dafür ist Zuidberg sehr dankbar. Bis zum Sommer 2017 war Disch Technischer Direktor des Luxemburgischen Volleyballverbandes und brachte als letzte Amtshandlung den Transfer über die Bühne. Zuidberg nutzte die Zeit im August und September, um sich mit den Bisons auf die Saison vorzubereiten, aber leider kam durch die Armee das Volleyballspielen die letzten Monate doch sehr kurz. Er wird am Samstag auch auflaufen und ist genauso heiß wie seine Teamkollegen. „Natürlich werden wir unser Bestmögliches geben, um wertvolle Punkte mit nach Bühl zu nehmen. Die lange Busfahrt soll sich ja auch auszahlen und damit wäre auch der perfekte Start ins neue Jahr garantiert.“

Für den Schweden David Pettersson ist die Begegnung am Wochenende hingegen fast schon ein Heimspiel. Der Mittelblocker der Bisons fasst es mit charmantem Understatement zusammen: „Für mich ist es von Lüneburg aus kürzer nach Schweden als zurück nach Bühl.“ Etwas Sehnsucht klingt da schon durch, wenn Pettersson sich kurz vorstellt, daß er nach knapp fünf Stunden Fahrt wieder heimischen Boden betreten könnte. Wie die anderen Bisons erwartet er ein heißes Spiel und ist ebenfalls optimistisch, dass die Bisons die Punkte mitnehmen können.

Das ist auch das Ziel des Baden Rockets-Fanclub. Eine kleine Delegation aus der Zwetschgenstadt wird sich am Samstag früh auf den Weg machen, darunter auch die beiden Bisons-Geschäftsführer Achim Kammerer und Manohar Faupel. Zusätzlich kommen noch die beiden größten Fans von Außenangreifer Felix Orthmann: seine Eltern machen sich von Lüdenscheid aus auf den Weg in die Heide. Orthmann freut sich über diese Unterstützung und natürlich auf das Spiel: „Lüneburg ist kein einfacher Gegner, gerade in der Halle. Es ist eine kleine Halle und immer sehr laut. Aber ich denke, dass wir gute Chancen haben, die Punkte zu machen.“

Am Ende wird es also doch eine kleine Sternfahrt nach Lüneburg und die Fans beider Teams werden sich vor und nach dem Spiel bei einer freundschaftlichen Hopfenkaltschale bestens unterhalten. Während der Begegnung natürlich nicht, denn da werden beide Seiten ihre Mannschaft nach Kräften anfeuern und motivieren, denn wie gesagt: Es gibt nichts zu verschenken.

Felix Orthmann erwartet ein heißes Spiel und will Punkte mitnehmen. Bildrechte: Lucas Martin Photography

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