Bisons Auswärtspunkt dank Expresslieferung

04.12.2017

Für Bisonsfan Uli Huck lag es ganz klar an den roten Schuhen. Seine Reise nach Düren startete am Sonntag früher als geplant: Zuspieler Mario Schmidgall hatte besagte rote Schuhe in Bühl vergessen. Huck lieferte same day und das pünktlich zum Kaffee vor dem Spiel. Im Gegenzug holte Bühl in einem echten Fünfsatz-Krimi einen wichtigen Punkt in der bisherigen Heimspiel-Festung Düren (19:25; 25:22; 22:25; 25:18; 15:13).

Dabei schrammten die Bisons nur ganz knapp an der eigentlichen Sensation vorbei. Mit 15:13 und nach gut zwei Stunden wendete der Gastgeber im letzten Moment die drohende Heimspiel-Niederlage ab. Düren bleibt knapp vor den Bisons, diese klettern auf einen komfortablen 5.Platz.

Die erste Führung im Spiel erzielte Diagonalspieler Anton Qafarena mit 5:4 und mit 8:7 ging das Bisons-Team in die technische Auszeit. Dann eine Aufschlagserie von "Hunter Masa": mit seinen Services erzeugte Masahiro Yanagida richtig viel Druck an diesem Abend. Satte 33 von 104 Aufschlägen des Bühler Teams kamen aus der Hand des Japaners und späteren Silber MVP. Und 5 von insgesamt 8 Assen bei Bühl trugen dem Stempel "Made in Japan". Kein Zweifel: der „Kanonenarm“ von Yanagida war eine echte Gefahr, wie Gastgeber-Trainer Stefan Falter vor der Begegnung gewarnt hatte.

Mit ihrem Kapitän Yanagida kamen auch Außen Corbin Balster und Mitte Magloire Mayaula in Schwung. 16:11 und 18:13, die Bisons hatten das Spiel früh an sich gezogen und Düren die zweite Auszeit. Das hinderte Qafarena und Balster aber nicht, dem letzten Abschnitt des Satzes ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Die Punkte 19, 21 und 23 lieferte der 19jährige Albaner Qafarena, der 20jährige Balster steuerte die letzten beiden Zähler zum 25:19 bei. Etwas verwundert rieben sich die rund 1.500 Zuschauer die Augen, auch sie hatten die Gäste nicht so dominant auf der Rechnung.

Mit umgekehrtem Vorzeichen startete der zweite Durchgang. Düren schüttelte sich kurz in der Satzpause und es war nun Bühl, welches dem Gastgeber hinterherlief. 8:5 stand es für Düren, weiter ging es mit 11:7, 13:9 und 16:12. Die Bisons stemmten sich entgegen, aber der Vorsprung wollte einfach nicht schrumpfen.
Bei 17:13 war Bühl endlich wieder da: Libero Tomas Ruiz wehrte zwei aufeinanderfolgende Angriffe ab und Yanagida nutzte die perfekte zweite Abwehr zum Konter aus dem Hinterfeld. Bei 17:14 nahm Stefan Falter eine Auszeit, er sah seinen Vorsprung schwinden und die Gefahr am Horizont.

Iurii Kruzhkov verkürzte dann mit einem entspannten Punkt zum 19:16: Während die komplette Abwehr Dürens auf eine harte Attacke wartete, pritschte er den Ball elegant ins lange hintere Eck.
Danach ging es Schlag auf Schlag, es wurde zur furiosen Aufholjagd der Bisons. Mayaula kloppte den Ball zum 20:17 rein und legte gleich mit einem Aufschlag-Ass nach, 20:18. Düren, nun massiv unter Beschuss, erkämpfte sich das 21:19, doch David Pettersson holte über die Mitte den Ball zum 21:20 zurück. Es folgte der nächste Punkt der Gastgeber zum 22:20, die Spannung war kaum noch zu überbieten.
Und der Aufschlag wechselte wieder bei 23:21. In diesem Moment nutzte Düren seine größere Erfahrung und Abgezocktheit gegenüber den jüngeren Bisons und machte den entscheidenden Break zum 24:22. Der erste Satzball wurde noch abgewehrt, aber mit 25:22 mussten sich die angereisten Gäste geschlagen geben und beide Teams verabschiedeten sich in die 10min-Pause.

Mit einer 3 Punkteserie gaben die Bisons gleich mal das Tempo im nächsten Satz vor. Im Anschluss stand der Block der Bisons „wie eine 1“: Balster griff gleich zweimal erfolgreich zu und Mayaula pflückte den gegnerischen Diagonalspieler Marvin Prolingheuer im Alleingang.
Basis für die gute Arbeit am Netz war einmal mehr Yanagida, nach seinem fünften Aufschlag nahm Stefan Falter bei 5:7 die erste Auszeit, direkt danach schickte Balster den Gegner in die technische Auszeit (5:8). Es kam noch schlimmer für den Gastgeber: Mayaula machte das 5:9 und Mario Schmidgall gab noch einen Ableger als Zugabe obendrein: 5:10. Balster stand im Anschluss wie eine Wand, sein dritter erfolgreicher Block markierte das 12:6 aus der Sicht eines konsequent aufspielenden Gastes.

In der Folge änderte sich nichts: stellenweise sechs Punkte Vorsprung erarbeiteten sich die Bisons und Dürens Trainer musste bei 11:16 sein Team wieder neu sortieren. Seine Ansprache zeigte Erfolg: Düren verkürzte auf 14:17, Bühl ließ sich davon nicht beirren und Kapitän Yanagida zeigte einmal mehr seine Flexibilität: griff er im einen Moment noch mit voller Wucht an, schob er danach den Ball gefühlvoll über den Block ins gegnerische Feld und machte aus Bühler Sicht das 21:17.

Ein Ruck ging durch die Heimmannschaft und angefeuert von den heimischen Fans verkürzte Düren auf 20:22 und zwang Headcoach Ruben Wolochin in die Auszeit. Bei 21:23 schritt Yanagida zum Aufschlag: wieder ein harter jump serve, der von Düren nur mit Mühe abgewehrt werden konnte und anschließend im Bühler Block hängen blieb, 21:24 und damit Satzball Bühl. Düren wehrte den ersten ab, verlor aber mit 22:25 den nächsten Punkt, somit den dritten Satz und zum ersten Mal in der Saison 2017/18 einen Heimspielpunkt an eine Gastmannschaft. Unter dem Aspekt, dass Berlin 0:3 und Frankfurt mit 1:3 das Dürener Spielfeld hatten räumen müssen, war die Leistung der Bisons mehr als bemerkenswert. Folglich war der mitgereiste Bühler Fanblock außer Rand und Band, denn ihre Bisons zeigten sich bestens aufgelegt.

Lediglich im vierten Satz hatte Düren die Zwetschgenstädter fest im Griff. Mit 8:5, 12:8 und 16:10 gab Düren das Tempo vor, die Bisons folgten nur unwillig und über die Stationen 19:12 und 23:15 punktete sich der Gastgeber konsequent zum Satzgewinn (25:18). Es schien so, als sei den Bisons die Luft nach den vorhergehenden drei Sätzen vollkommen ausgegangen.
"Wir hätten das Spiel im vierten Satz gewinnen müssen." meinte daher nach dem Spiel ein nur mäßig zufriedener Dieter Habich. Der Vorsitzende des Fanclubs hatte sich mit dem Dutzend weiterer Baden Rocket Fans ins 360 km entfernte Düren begeben und während des Spiels getrommelt, was die Pauke hergab. Wobei auch er mit etwas Abstand den Bisons seine Anerkennung aussprach: „Von der Statistik her waren wir fast überall besser, die Jungs haben wirklich sehr gut gespielt. Der Fanclub war begeistert, die Fahrt hat sich trotz Winter und Schnee gelohnt.“

Der fünfte Satz war so eng von beiden Mannschaften geführt, dass es die Kleinigkeiten ausmachten. Ein Aufschlag zu viel im Netz, ein falsch gesetzter Block bei Bühl: Das waren die Rettungsringe, die ein über weite Strecken des Matchs schwimmendes Düren im Tiebreak konsequent nutzte. Wolochin mahnte seine jungen Spieler in den Auszeiten zur Geduld und Mayaula holte mit seinem Block bei 13:12 aus Bühler Sicht den ersten Vorsprung. Nach einer Auszeit glich Düren aber wieder aus und machte mit den letzten beiden Punkten einen mehr als knappen Heimspiel klar.

In Ruben Wolochins Gesicht kämpften Zufriedenheit und Enttäuschung miteinander. Nach dem Spiel konnte sich der Bisons-Headcoach zwar über den ersten Punkt freuen, den eine Mannschaft in dieser Saison aus Düren entführen konnte. Aber auch er wusste, dass mindestens ein weiterer Punkt drin gewesen wäre. Dennoch konnte er nicht zu lange mit dem Ergebnis hadern: „Die Mannschaft hat heute sehr gut gegen Düren gespielt, unsere Aufschlagstrategie hat sehr gut funktioniert. Wir haben am Anfang des zweiten Satzes zu viele Punkte liegen gelassen, das war dann am Satzende zu knapp. Aber insgesamt bin ich zufrieden.“

Team-Manager David Molnar zeigte sich ebenfalls beeindruckt: „Ja, natürlich hätten wir gerne einen zweiten oder gar dritten Punkt mitgenommen. Aber die Jungs haben wirklich gekämpft und wir haben Düren zu Hause mächtig unter Druck gesetzt. Mit dieser Leidenschaft und diesem Teamspirit werden wir in die anstehende Bayrische Woche und das Spiel Bühl-Herrsching am 09.12. starten. Ich sehe uns auf dem richtigen Weg, wir klettern in der Tabelle immer weiter nach oben. Und im Pokal am 13.12. da wollen wir dann Herrsching als schwierigen Gegner im Hexenkessel kontrollieren.“

Wertvollster Spieler bei Bühl und "Ballmaschine" mit 33 Aufschlägen: Silber MVP Masahiro Yanagida Bildrechte: Volleyball Bisons Bühl

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